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löcus minoris resistentiae denken —, so bleibt uns nur noch übrig die mechanischen Ursachen etwas näher zu
beleuchten. Die mechanischen Einwirkungen dürfen zerlegt werden in Druck, Stoss und Schlag. Dass
ein anhaltender Druck Exostosen hervorrufen kann, das zeigt uns die Exostose der grossen Zehe nach
Druck des Schuhzeugs, die Exostose an der Innenseite des Oberschenkels bei alten Cavalleristen, entstanden
durch Druck und Reibung am Sattel. Zumal wenn wir solche mechanische Ursachen in ähnlicher Weise
zusammenstellen mit der Predisposition zur Exostoseubildung, wie es Virchow mit den rheumathischen
Ihut, so würden selbstverständlich kleine Ursachen grosse Folgen haben. Ich bin sehr geneigt, mir
die Aetiologie der Exostosis cartilaginea so zu erklären. Wenigstens ist dieses die einzigste Erklärung,
welche Befriedigung gewährt. Man wird überall da, wo man in der Anamnese dem „spontan entstanden“
begegnet, daran zweifeln, dass dem so ist, und wird bedenken, dass unter Umständen, d. h. also bei
vorhandener grosser Prädisposition, nur eine geringe erregende Ursache nöthig ist. um doch die
Wucherung hervorzurufen. Eben dieses geringe nähere aetiologische Moment ist für die Vorstellung
in den Hintergrund getreten, ist vorn betreffenden Patienten vielleicht garnicht beachtet oder eben wegen
seiner Geringfügigkeit vergessen worden.
Gehen wir nun über zu den Symptomen, welche die knorpelige Exostose bietet, ln dem
Begriff der Exostose liegt, dass die knöcherne Geschwulst mit dem Knochen zusammenhängt, und daraus
entspringen zwei der constantesten Symptome, das der Härte und Unbeweglichkeit, wenngleich das
letztere unter Umständen eine Ausnahme zu erleiden scheint. So erzählt Lawrence (Stanley 1. c.)
einen Fall, wo er an dem unteren inneren Ende des femur eine bewegliche Exostose abtrug. Die Be
weglichkeit war dadurch herbeigeführt, dass der Stiel der Exostose abgebrochen und nicht wieder ange
heilt war. Die Bruchflächen hatten sich an einander abgerieben und bildeten eine Pseudarthrose, indem
der schmale Stiel der ungefähr 2 Zoll im Durchmesser betragenden Geschwulst in einer kleiuen Ver
tiefung des femur sich bewegte, ohne durch ein Zwischengewebe mit ihm verbunden zu sein. Erste
Bedingung für dieses Zustandekommen ist grosse Dünnheit des Stiels; durch äussere mechanische Insulte
kann dieser einen Bruch erleiden und die Geschwulst durch die Bewegungen des Gliedes am Anheilen
verhindert werden. Eine ähnliche, hierher gehörende Beobachtung, welche hier gemacht wurde, theile
ich pag. 20 bei Besprechung der Heilmethoden der knorpeligen Exostosen mit. Wenn C. 0. Weber
der Ansicht ist, dass Beweglichkeit der Exostose vorhanden sein könnte bei noch knorpeligem Stiel, so
könnte dieses doch nur bei grösseren Enchondromen der ball sein. Die erörterten Wachsthumsvorgänge
bei der Exostosis cartilaginea müssen eine solche Möglichkeit in Abrede stellen.
Die Oberfläche einer knorpeligen Exostose ist uneben, höckerig. Bei nicht allzugrosser Dicke
der sie bedeckenden Partieen wird man in der Regel im Stande sein, durchs Gefühl sich hiervon zu
überzeugen. Es wären dieses die Symptome, welche die Exostosen als solche darbieten; eine andere
Reihe wird erst secuudär durch die Entwickelung derselben zu Staude gebiachl.
Die Beschwerden, welche durch sie hervorgerufen werden, sind in den meisten Fällen nicht
erheblich. Schmerzen sind mit der Entwickelung dieser Geschwülste nicht verbunden, auch ist die Be
rührung derselben nicht empfindlich. Natürlich wird es sich anders verhallen, wenn die Geschwulst
irgend welche sensiblere Theile, vor Allem also Nervenstämme comprimirt. Es werden heftige Neural
gien, bei höherem Druck und Zerrung wohl gar Lähmung der unteihalb der Exostose gelegenen 1 ar
tieen die Folge davon sein. Häufig stellen sich inlermiltjrende Schmelzen ein in der Gegend dei Exostose

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