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und somit diese conseculiv zur compacten werden, oder es möge endlich, ohne gleichzeitige Umbildung
der ganzen bereits gebildeten Geschwulst in eine compacte, an deren Peripherie sofort sclerosirende und
nicht durch Markraumbildung spongiös werdende Masse sich anlagern.“
Das letztere würde also nach Weber die Entstehung der äussersten compacten Schicht an
den spongiösen Exostosen erklären; wir werden unten eine wahrscheinlichere Entslehungsweise kennen
lernen. —
Virchow hat nachgewiesen, dass die Exostosis eburnea wenigstens in den meisten Fällen von
der spongiösen Exostose genetisch verschieden ist. Während Weber sämmtliche Exostosen von perio
stalem Wachsthum ableiten wollte, hat Virchow dargelhan, dass dieses nur bei den elfenbeinernen
der Fall sei, und dass diese aus einer Reizung hervorgehe, welche der Periostitis nahe steht. Als
Beweis führt Virchow einen Fall von elfenbeinerner Exostose der vorderen Schädelgrube an. Aus der
microscopischen Untersuchung ergab sich, dass die Exostose aus einer Reihe von über einander gelagerten
und in einander übergehenden Kuochenlamellen bestand, welche unzweifelhaft von dem periostalen Blatt
der Dura mater durch Anlagerung ausgegangen waren. Die elfenbeinernen Exostosen sind vom Periost
unmittelbar bedeckt, welches häufig durch die erlittene Ausdehnung verdünnt erscheint. Paget
(Lectures II.) erzählt einen Fall von Exostosis eburnea mit bedeckendem Knorpel; doch ist dieses eine
seltene Ausnahme, die, wie wir unten sehen werden, vielleicht auf andere Weise sich erklären lässt;
einen zweiten derartigen Fall habe ich nicht auffinden können. Virchow glaubt sich zu der Annahme
berechtigt, dass die grösseren Knorpel tragenden Exostosen in ihiem Innern spongiös seien.
\ls characteristisches Merkmal der Exostosis cartilaginea sahen wir oben eine solche
Knorpelschicht zwischen Knochen und Periost; und sie war es, welche manche Autoren, wie Havers,
Haller und Neuere, verleitete zur Annahme, die Exostosen entständen durch Exsudation vom Periost
aus, man sah diese Knorpelschicht für das Exsudationsproduct an und hielt sie für eine Uebergangs-
stufe zwischen dem exsudirten ossilicaliousfähigen Saft und dem Knochen. Ich habe bereits oben über
die Unteilbarkeit dieser Hypothese gesprochen und kann, glaube ich, darum die mannigfachen Dis-
cussionen, welchen die Natur dieser Schicht unterlegen, füglich übergehen.
Wie die erste Entstehung der Exostosis cartilaginea ist, wissen wir nicht genau. Wahrscheinlich
bildet sich zunächst ein einfacher knorpeliger Auswuchs, an dem eine wirkliche Ossification vor sich
geht in ähnlicher Weise, wie an den permanenten Knorpeln selbst. Die knorpelige Exostose zeigt ganz
dieselben Wachsthumsvorgänge, wie wir sie hei dem physiologischen Längswachsthum der Röhren
knochen haben, nämlich Wucherung der centralen, dem Knochen anliegenden Knorpellage und Meta
morphose derselben in Knochensubstanz, also Anlagerung an die Peripherie der Exostose. Dieser Vor
gang wäre also ganz anolog dem bei dem Wachsthum der elfenbeinernen Exostose, nur mit dem Unter
schied, dass hier das Periost, dort die Knorpelschicht das Material zur Knochenbildung liefern. Im
Anfangsstadium der Entwickelung bestehen die kleinen knolligen Excrescenzen häufig aus einer durchweg
festen compacten Knochensubstanz, aus derselben Masse, welche die periphere zuletzt gebildete Rinden
schicht einer grossen knorpeligen Exostose bildet. Vielleicht ist der oben erwähnte, von Paget
(Lectures II.) milgetheilte Fall von elfenbeinerner Exostose mit Knorpelschicht am Humerus ein solcher,
oder es liesse sich denken, dass ausnahmsweise die weiteren Vorgänge, aus welchen der spongiöse
Charakter der Exostosis cartilaginea entspringt, nicht stattgefunden hätten. Die Regel jedoch ist nun,

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