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Volksversammlung einzog; oder vielmehr jenes gute Beispiel des Poplicola drückt
nur den für die ganze republicanische Zeit gültigen Grundsatz aus, dass die maiestas
wie die Gewalt des Volkes eine grössere sei als die seines erwählten Consuls.
Während aber anfänglich solche Hoheit ausschliesslich von den alt angesessenen
Geschlechtern ausgeübt war, entstand mit der Zeit in der Mitte der Bürgerschaft ein
Kampf zwischen jenen Pa tri eiern und den nach und nach von aussen Hinzu
gezogenen, den Plebejern, ein berechtigtes Drängen der letzteren zur Theilnahme
an der von den ersteren in Beschlag genommenen socialen und politischen Stellung,
und ein zäher Widerstand der in ihren Vorrechten Bedrohten. Aul dieser Seite ein
schroffes Standesbewusstsein, die Erinnerung an die Ahnen, welche seit Anbeginn
den Staat, dann auch die Regierung gebildet, selbst den Dienst der Götter allein
verstanden und besorgt hatten, das Gefühl oder der Vorwand der Pflicht, diesen von
den Vorfahren ererbten Glanz unversehrt den Nachkommen zu hinterlassen : auf der
andren das trotzige Gefühl der Unentbehrlichkeit, saurer Arbeit im Dienst des Ge
meinwesens, frischester Thatkraft. Alles wozu der Werth des eignen Standes zu
berechtigen schien, fasste man auf beiden Seiten in das Wort maiestas zusammen.
Aber die der Patricier war älter, mit ihrer Geschichte und Gewöhnung recht eigent
lich verknüpft. Die Plebejer hatten die ihrige erst zu schaffen: durch beharrliche
Agitation und kluge Benutzung der Umstände musste sich ihr Verdienst Bahn brechen.
Noch gelang es in einzelnen Fällen durch Aufwendung persönlicher maiestas, durch
milde und doch imponirende Beredsamkeit einflussreicher Männer die Aufständischen
zum Gehorsam zurückzubringen, zugleich mit der maiestas der „Väter“ die Eintracht
der Stände zu retten. Nachdem endlich die beiden bewaffneten Auszüge der Plebs
auf den Aventin, Drohungen eine Gemeinschaft aufzugeben, bei der sie zu ewiger
Unterordnung bestimmt sein sollte, zu bestimmten Zugeständnissen geführt hatten,
bildete der Besitz dieser durch heiligen Vertrag besiegelten Rechte ihre maiestas,
welche in der unverletzlichen Person der V olkstribunen verkörpert war. Jetzt
War die Aufgabe, die beiden Ständen eigenthümliche Hoheit gegen wechselseitige Ueber-
griffe zu wahren. Der Kampf der verfassungsmässigen Gewalten um das Uebergewicht,
oder, wie man gesagt hat, die Friction dieser zwei’aufeinander gefügten Mühlsteine
rief jenes sprühende politische Leben des republicanischen Rom hervor, bis die
dauernde Militärdictatur Cäsars und das Principat des Augustus die viel umstrittene
maiestas in die Person des einen Herrschers zurücknahm.
Als ein Ganzes, Einiges dagegen fühlte sich das römische Volk dem Auslande
gegenüber: nach aussen hin strahlte in vollem Glanze, ungetrübt von den Schatten
kleinlicher Begierden und Affecte, die echte maiestas des römischen Reiches und
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