Full text: (Band XVI.)

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wichtige Entscheidung nicht anheimgeben. Da erhebt sich einer der Väter und 
erklärt: „da nicht die Ehrfurcht vor dem Senat noch vor dem Vaterlande den 
Ausschlag giebt, so soll die Majestät des Vaters den Streit entscheiden. Mein Sohn 
wird ohne Bestimmung durch das Loos die Stadt verwalten; mögen die, welche in 
den Krieg ziehen, ihn mit mehr Besonnenheit und Eintracht führen, als sie ihn 
begehren.“ Und so geschah es. Aber so mächtigen Eindruck vermag nur ein un 
mittelbarer Wetterstrahl gleichsam der moralischen Uebermacht auf das überraschte 
Gemüth zu bewirken. Ohne den herrschenden Blick, die schneidige Stimme, ohne 
die würdevolle Gestalt des Vaters zu sehen hätte der Sohn sich schwerlich unter 
worfen. Auch auf die Gewalt der entgegenwirkenden Motive kommt es an. Wo ein 
Überwältigendes Pathos, eine hohe sittliche Idee, eine erhabene Pflicht den Ansprüchen 
väterlicher maiestas entgegentritt, kann ein tragischer Conflict entstehen, wie durch 
die That des jungen Manlius, welcher gegen den weisen Befehl der Consuln, deren 
c iner sein Vater war, eine Herausforderung zum Zweikampf vom Feinde angenommen 
Ur *d den latinischen Reiterobersten erschlagen hatte. Als er frohlockend mit den 
bpolien vor den Vater trat, kehrte ihm dieser den Rücken, berief das Heer und 
Verurtheilte in harter Anrede den Sohn, welcher weder den Befehl der Consuln noch 
die maiestas des Vaters geehrt habe, zur lodesstrafe, die alsbald vollzogen wurde. 
So reicht dieser heilige Bann der väterlichen Persönlichkeit weit über die 
Schranken des Hauses hinaus in das öffentliche Leben. Aber er zerrinnt, wo 
eine höhere Macht als die Familie, in ältester Zeit der König, später die Würden- 
träger des Volkes, ihre Ansprüche dagegen setzen. Angedeutet wird ihre maiestas 
durch die königlichen Insignien des Elfenbeinstuhls und des Purpurstreifens der Toga, 
a nerkannt auch im täglichen Leben durch Aufstehen, Ausweichen auf der Strasse, 
bntblössung des Hauptes. Bezeichnend ist jener Versuch des Vaters, das Amts 
bewusstsein des Sohnes auf die Probe zu stellen Zum Consul Fabius wird einst der 
S p eise Vater als Legat ins Lager geschickt. Der Sohn schreitet, ihm entgegen, der 
Alte reitet ungestört an den Lictoren desselben vorüber, welche einer hinter dem 
andern vor dem Consul hermarschierend in stummer Ehrfurcht den Legaten passieren 
lassen. Als er aber zum zwölften , dem letzten Träger der Ruthenbündel mit dem 
l^ile und so in die unmittelbare Nähe des Consuls kommt, giebt endlich dieser dem 
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-actor mit zwei kurzen Worten den Wink, seines Amtes wahrzunehmen. Erst nun, 
u uf den Befehl vorn Pferde zu steigen,, springt der Vater ab mit der Erklärung: „ich 
teilte sehen, mein Sohn, ob dm wüsstest, dass du Consul seiest.“ In der That ist 
die Würde des öffentlichen Amtes nirgends geachteter gewesen als in Rom : indem 
l »an der Obrigkeit als. dem Betrauten des Volkes Ehrerbietung erwies, ehrte man
	        
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