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Höhe seines Ansehens. Seine merkwürdige Tragödie M/Ajfrcu ctXccats, welche 01. 71, 3
eine so übermächtige Wirkung auf die Zuhörer ausübte, war des grossa-rtigen Festes
gewiss würdig, und die Missbilligung von Seiten der Kampfrichter noch begreiflicher,
wenn auch vor Fremden, wie sie die neueröffnete Schiffahrt des Frühlings nach Athen
führte, nationales Leid und (wenn auch nur indirect) Fehler der heimischen Politik
aufgedeckt waren.
In den unmittelbar folgenden Jahren während der Perserkriege, so lange alle
Gedanken und Mittel des Staates auf Abwehr des Feindes und Bildung einer See
macht gerichtet waren, konnte man sich schwerlich- zur Gründung eines Festes auf
gelegt fühlen, welches so überwiegend dem Genüsse, wenn auch dem edelsten, ge
widmet war. Aber nachdem der Barbar in seine Heimath zurückgetrieben war, Athen
unter seinen Bundesgenossen im Glanz unsterblicher Thaten stand und das Bewusst
sein eines siegreichen, unabhängigen, einmüthigen Volkes die Brust der Bürger durch
drang, als ihm (01. 76, 1) vollends auch die Hegemonie zur See zugefallen war: da
lag der stolze Gedanke nahe, die ßundesstadt auch zum Schauplatz eines panhelleni-
schen Festes zu machen; wie man dem Zevs ’EAsvSfytos den schuldigen Dank darge
bracht hatte, auch dem vorzugsweise „befreienden“ Gott neue glänzendere Ehren zu
weihen. Aeschylos, der Freiheitskämpfer, seit seinem ersten dramatischen Sieg (01.73,4)
im Bunde mit dem noch rüstigen Phrynichos Gesetzgeber des Dionysischen Spieles,
voll grosser Entwürfe, mit denen die heroische Zeit seinen Genius befruchtet hatte,
war der Mann, für die Schöpfungen desselben ausser der Bühne, die er zum Theil
schon neu gestaltet hatte, auch eine reichere Feier zu begehren, deren Glanz über die
Grenzen Attika’s hinausstrahlte, und so Athen, den Heerd und Vorort nationaler Ge
sinnung, auch zum Mittelpunkt eines religiösen Festgenusses zu machen, zu dem alle
Künste sich die Hand reichten. Und hierauf bereitwillig einzugehen, war der Sinnes
art des Volkes wie seiner Führer, vor Allem des Kim on, gewiss ano-emessen. Eben
damals hatte derselbe die Gebeine des Theseus von Skyros heimgebracht,
was höchst wahrscheinlich zu glänzender Umgestaltung der Pyanepsien zu Ehren
dieses Heros Veranlassung gab.*) Statt eines Lenäentages mit 3 einzelnen Tragödien
mochte an den grossen Dionysien gleich von Anfang an ein dreitägiger Wett
kampf mit 3 Tetralogieen treten (zu denen erst später, um 01. 80, Komödien
hinzukamen), und die Persertetralogie 01. 76, 4 war die herrlichste Einweihung
des neuen Festes, die man sich denken kann.
.Nur ein Bedenken gegen die Annahme, dass die städtischen Dionysien mit
') W. Vischer Kimon 16. Mommsen Heortol, 57, der S. 69 sehr richtig die Stiftung der
städtischen Dionysien in die Zeit nach den Perserkriegen (S. 60 „in die des Ciinon oder Perikies“)
verlegt. Vor die Perikleische Zeit muss sie wegen der Entwickelung der Tragödie jedenfalls ge
setzt werden.

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