Full text: (Band XVI.)

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Bezirks 1 ) wenigstens ein gesicherter Zuschauerraum gewonnen. Der Bau des 
Uebrigen ging langsam von Statten. Selbst die einbrechenden Perser fanden Ol. 75, 1 
noch nichts Bedeutendes zu zerstören. 
Vor dem Einsturz der Holzgerüste und dem begonnenen Bau des dionysischen 
Theaters hat neben den Lenäen des Gamelion gewiss kein zweites Dionysosfest mit 
dramatischen Spielen bestanden. Auch jene, welche die winterlichen Bacchusfeste der 
Deinen an dem gemeinsamen Heerde des städtischen Heiligthums zusammenfassten, 
bedurften seit ihrer Stiftung durch die Gunst der Tyrannis einer gewissen Zeit, um 
in der Gewöhnung der Bürger Wurzel zu schlagen, durch manche Uebergangsstufen 
zu fester Organisation und voller Entwickelung zu gelangen. Wenn einmal im Jahr 
in der Stadt und ausserdem in den Dernen dramatische Dichter, die noch nicht so 
dicht gesät waren, Gelegenheit fänden, ihre Arbeiten vorzuführen, so war dem Be- 
dürfniss einstweilen wohl genügt. Als thätig bekannt sind uns vor Ol. 70 nur Thes- 
pis Antiphanes Choirilos Pratinas Phrynichos. Die drei letzteren haben auch nach 
jenem Zeitpunkt noch eine Reihe von Olympiaden hindurch gedichtet. Da Choirilos, 
der Ol. 64 zuerst auftrat, noch Ol. 74 von Eusebius unter den Lebenden verzeichnet 
wird, 2 ) so haben wir, selbst wenn er damals gestorben wäre, einen Zeitraum von 
40 Jahren zur Verfügung, um die 160 Dramen, die er geschrieben haben soll, zu 
vertheilen. Er wird eben auch die Deinen reichlich mit Stücken kleineren Umfangs 
versorgt haben, deren er im Jahr wohl 4 hier und da zur Aufführung bringen konnte. 
Denn dass von jeher auch an den Lenäen jeder Dichter mit 4 Stücken auftrat, kann 
Niemand glauben. Der dreitägige Wettkampf mit Tetralogieen erforderte eine Aus 
wahl von Bewerbern, eine Fülle der Production und eine lheilnahme des Volkes, 
die den Anfängen der Kunst sicher nicht zuzutrauen ist. \\ ir haben ihn als eine 
Neuerung zu betrachten, welche entweder zunächst einen weiteren Fortschritt, der Le- 
häen bezeichnet, oder mit der Einführung der grossen Dionysien zusammenfiel. 
Denn überhaupt wie uns Gliederung und Hergang dieses herrlichen Festes 
bekannt ist (freilich frühestens durch Nachrichten aus der Zeit des peloponnesischen 
Krieges und des Demosthenes), so verräth es in Allem den Zweck, sämmtliche Elemente 
einer allmählig gereiften Kunstblüthe wie in einem Brennpunkt zu vereinigen und das 
Wohlbehagen einer mächtigen, glücklichen, schönen und hochgebildeten Stadt der 
Welt vor Augen zu stellen. Die 7rcfX7rri setzte die Theilnahme zahlreicher Festgenossen 
aus der Ferne, diese wieder die stattlichen Räume des neuen Theaters voraus; die 
Chöre am Altar der Zwölfgötter, den erst der Enkel Peisistratos Ol. 64 gebaut hatte 
(Thue. Vf 54), laden gleichsam den ganzen Olymp ein, dem Hochfeste des jüngsten 
>) l’ausanias I 20, 2 f. unterscheidet Uqov und •‘Hhtqov. Vgl. Mommsen Hoortol. 561, 
Wieselet' u. a. 0. 177 A. 46. 
2 ) e.hron, p. 102: Xaipikos x«; *qv>>i X os lyva^ovtu. Hieran.: inluatres habcAtur. 
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