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des neugeborenen Jahres, „in einer Zeit, wo sich die Tiefen des Erdschoosses ebenso
schöpferisch wie unheimlich regen“ (Mommsen Heortol. 370), hatte man dem Ge
nuss des Lebens und seiner Vergänglichkeit ein der getheilten Stimmung eines solchen
Ueberganges entsprechendes Fest gewidmet, vielleicht zunächst dem Kronos und seinem
Sohne Kronion heilig, eben jenes Fest der Anthesterien (vgl. Mommsen a. a. O. 19 ft.).
Ein Jahrmarkt, zu dem die Landleute auf Wagen den jungen Wein in die Stadt
brachten, lieferte den Anlass bei reiehlichem Genüsse desselben auch des göttlichen
Spenders zu gedenken. Niemand, weder Sclav noch Taglöhner, war von dem froh-
Hohen Feste der „Fassöffnung“ (ir&ofylct) ausgeschlossen, sondern Alle erhielten
nach dem Opfer ihren Antheil an der edlen bacchusgabe. J ) So waren denn auch die
Stämme vereinigt, wie bei den Apaturien: den Städtern waren die Landleute zugesellt,
aber nur zu einer Gemeinschaft des Genusses, nicht des Gottesdienstes. Nicht einmal
gesellige Unterhaltung, nicht einmal eine gemeinsame Weinquelle. Das Opfer in
Limnä am Schluss war ein geheimes bei verschlossenem Tempel, nur von der Priesterin
Verrichtet. Kein gemeinsamer wie in den Deinen. Nur die heimziehenden
Landleute trieben von ihren Wagen herab wie bei ihren ländlichen Dionysien aller-
band muthwillige Kurzweil und improvisirten Fastnachtsscherz. 2 )
Unter Peisistratos nun, von ihm und der delphischen Priesterschaft inspirirt,
brachte der erfindungsreichste aller athenischen Iheologen, Onomakritos, die Ge
schichte vom Tode des Dionysos in ein abgeschlossenes mystisches System. 3 ) Zeus
nämlich vermählt sich vor Pluton mit Persephone. Aus dieser Ehe wird Zagreus, 4 )
i) Schob zu Hesiods (qya 370: xal 1» toU n«T((o« ioüy ioqrj Urfoiyia, x,a ’ ',}y ovu olximv
oi Tt p'torir t«; inokaitt*f roi otvov 9if*nir jr, Akkä «r (inaMirn rov dtlqov tov
diovinov. Dazu das Sprüchwort »iqnff KöcqfC, ovxtr ’Ay^eor^qra.
Suidas: t« Ix r<5y y Tr, rüy yotöv ioqT} oi x„ >f x^oyr f , M rüy y Toit 'bt«yTÜyr« C (axowly r* x n i Ikoidiqovy. rö *«t toT! iareqov inoiovy. Also war die öffentlich« Feier der Lenäen jünger als die der Choen.
3 ) Pausanias VIII 37, 5: iwqä v ’Oro/taxqnOe nccqalaßujy tü>y Tirvyuv TO Syofia Aio-
yi av Tt av y{»^ x( y Sqyitt xal (iya, rov ( Tnäyaff ^ dtoyiay xüy na^fiärury imC^Ofy avTovqyoCg. Dass
solche r« bereits vorher, wohl schon den Thrakiern bekannt, dann von diesen auf griechischen
Boden hier und dorthin, vielleicht bis Kreta, gewiss in Delphi (Plutarch ti apud Delph. 9), über
liefert und gefeiert waren, ist damit nicht geleugnet. Vgl. O. Müller Prob z. wisssch. Myth. 391 ft.
Eleusinien 294 f. Höck Kreta 111 180 ff. Welcher Götterl. II 634. Ueber den ganzen Mythus
s. Lobeck Agh 547 ff. t r ,
4) Ilesychius: ZayQfif 1 Ö Jiiyygof ... doxfT yaq Ö toevt vtyivca Tr, IlfqOtfoyr,, iS nt
i AyovtHtog. KtMptgof via J^vcoy Zayqia *“9“ «' t«, ?y ’ j) i niy V iyqoimv . r»i t tiy
M, * M yy tfyctr r«D irloif.w. Anecd. Oxon. Cram. III 443: *S poyikoot iy 9 ti»y wp
z«y., ( i Tf »für n«yvn(qimf n&yTuS 1 i r,V ‘Akx^ioyfd« <■>,. Wie hier Zagreus den Hades
bedeutet, so setzte Herakleitos um Ob 69, vielleicht auf die Lehre des Onomakritos, die er wie die
Mysterien und den Dionysoscult überhaupt (Bernays die heraklitischen Briefe «.135) verachtet
haben wird, anspielend, Dionysos als das feuchte Princip dem Hades, der *4™ Un, gleich fr. 70
Schl., worüber Bernays Rhein. Mus. VII 113 und X 266,
3*

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