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war zwar nicht die Verpflanzung des eleusinischen Festes in die Hauptstadt, aber doch
eine Beteiligung an der Leitung durch athenische Priester zugestanden worden. Ur-
alt, in homerische Zeit zurückreichend, war die Verehrung der Demeter auf Kreta. 1 )
Um so näher lag es für Epimenides, den eleusinischen Dienst durch eine eigentüm
liche Abzweigung in das System des attischen CultusAvesens, Avelches er zu regeln
hatte, einzufügen. Er scheint es gewesen zu sein, der an alte, obwohl unscheinbare
Anfänge eines Koredienstes (vgl. Gerhard Anthest. 183) jenseits des Ilissos in der Vor
stadt Agrä anknüpfend hier die sogenannten kleinen Mysterien stiftete, welche im
Frühling die Rückkehr der Kore auf die Oberwelt, ihre Wiedervereinigung mit der Mutter
begingen. Wenigstens berechtigt das Sitzbild des Epimenides vor dem einen der beiden
Mysterien-Heiligthtimer in Agrä(Pausanias 114,4) zu der Annahme, dass derselbe in irgend
einer bedeutenden Beziehung zu jenen gestanden habe (vgl. Mommsen Heortol. 62).
Ferner aber ist Folgendes zu erwägen. Der in Kreta verehrte höchste Gott,
Welchem erst die dorischen Einwanderer den Namen ihres nationalen Zeus 2 ) gegeben
hatten, stammte wie der thrakische Sabazios eigentlich aus Phrygien: Sohn der Rhea
wie dieser, gleich ihm auch c, Tr,c benannt, von Kureten, die Rhea aus Phrygien ge
schickt hatte, erzogen, mit rauschender Musik und orgiastischen 1 änzen der Kureten
gefeiert (Strabo X p. 472) Avie Dionysos von Satyrn, in Kreta begraben Avie dieser in
Delphi, wird er mit dem hellenischen Zeus erst verschmolzen in der Theogonie (477 ff.).
Als Sohn dieses Zeus und der Persephone Avar auf der nämlichen Insel Dionysos be
kannt (Diodor V 75: Höck Kreta III 177 ff.). Sehr denkbar, dass der kretische Zeu.s-
priester und Kuret, Epimenides, auch die Sühnungen und Reinigungen des Bacchus
in gemilderter Form und in Verbindung mit den Weihen der Demeter für die Be
ruhigung der Gemüther in Athen empfahl, zumal wenn schon in Eleusis früher Bacchus
auch zu dem Trauerfest der herbstlich verödeten Erde in eine durch die Aehnlichkeit
der Mythen so nahe gelegte Beziehung getreten Avar. Schon Melanthos wird nach
der Atthis des Demon bei Athenaeus III p- 96d. durch Spruch der Pythia nach Eleusis
gCAviesen, und die dortigen Priesterinnen nehmen ihn gastlich auf, Avenn er auch nur
die Reste ihres Festmahls bekommt. Das heisst: der Priester des Dionysos und der
Gott selbst erhält untergeordneten Antheil an der eleusinischen Religion (vgl. Welcker
Nachtr. 203 f.). Auch hatte Eumolpos im Kriege gegen Erechtheus thrakische Ver
bündete, natürlich in Phokis oder Böotien Angesessene; Manchen galt er sogar selbst
als Thraker (schob Soph. OC. 1051. Apollodor III 15, 4): also alte Bekanntschaft der
Eleusinier mit Sabazios. Die Verwandtschaft zwischen der phrygischen Göttermutter
und Demeter ist früh bemerkt Avorden (vgl Grote hist, of Gr. I 37 ff’. Gerhard
Myth. § 149, 2).
•) Preller Demeter und Persephone 2(5 f.
*) Vgl. Höck Kreta l iäö ff. Gerhard Myth. 5 1U4. Welcker Götterl. IL 2lt> ff.

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