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Geogr. I 249), zeugten, und Böckh (Lenäen S. 121 f.) durchaus wahrscheinlich gemacht
hat, dass er in historischer Zeit überhaupt nicht mehr bewohnt war, so ist doch der
früher erfolgte Uebertritt einer böotischen Gemeinde in den attischen Staatsverband
durchaus glaublich. Sie thaten es, wie Pausanias I 38, 8 berichtet, freiwillig, aus
Neigung zu der Verfassung der Athener und Hass gegen die Thebaner, welche ganz
Böotien sich zu unterwerfen trachteten. Als passendsten Zeitpunkt hierfür nimmt der
genannte grosse Forscher S. 122 f. die Epoche zwischen der Einwanderung der Böotier
aus Arne und dem Heraklidenzug an. Nur ist ihm, wie sich aus unsrer weiteren Dar
stellung von selbst ergeben wird, nicht beizustimmen, wenn er die Einsetzung des
Eleutherischen Dionysos und der grossen städtischen Dionysien für identisch hält.
Dass aber jener verfallene, am Abhange des Kithäron gelegene Ort seinen
Namen keinem Geringeren verdankte, als eben dem Bacchus, dessen Dienst dort von
Alters her in Blüthe gestanden hatte, 1 ) ist selbst in Diodors wenn auch verfehlter
Deutung anerkannt, der dem Dionysos die Gründung der Stadt zuschreibt und an-
giebt, sie sei nach der von dem Gott überall in Böotien verbreiteten politischen Selb
ständigkeit der einzelnen Städte Eleutherä genannt worden (IV 2). Das ist freilich
eine rationalisirende Erklärung, welche für so frühe Zeiten nicht passt. Erst nach
den Perserkriegen haben die Griechen bei Platää dem Zeus Eleutherios einen Altar
errichtet zum Dank für die Befreiung vom Feinde (Pausan. IX 2, 5). Aus derselben
Zeit ist der Altar des Helios Eleutherios in Trözen, gleichfalls der Errettung von den
Persern gewidmet (derselbe II 31, 5), und der Zeus Eleutherios auf dem Kcrameikos
(derselbe I 3, 2) wird nicht älter sein. Wenn auch Welcker Nachtr. 195 f. die Frei
heit, sei es der Feste oder überhaupt, als eigentlichen Sinn jenes Namens in Anspruch
nimmt, so ist zu erinnern, dass die Hirten und Bauern den Gott ohne Zweifel lange
vorher so genannt haben, ehe sie Gemeinschaft mit ihren Herren erzwungen hatten.
Ein richtigeres Verständniss giebt uns die Sage bei Suidas (s. v. peAuvulyificc Aicvvcrov)i
die Töchter des Eleuther spotteten über das schwarze Ziegenfell des Dionysos, er
aber wurde erzürnt und versetzte sie in Raserei. Hierauf empfing Eleuther ein Orakel,
er solle, damit der Wahnsinn auf höre (evrl Kavaei rijs - /uav/a schwarzen Ziegenfell verehren. Die Raserei ist natürlich keine andere als die bac-
chische, wie sie zur Strafe Lykurgos, Pentheus, die Töchter des Proitos, befiel. Eleuther
heisst der Vater offenbar, weil er als Priester des Bacchus seine Kinder von der gott-
verhärmten Krankheit zu befreien verstand durch sühnende, kathartische Mittel. Apollo
') Dies scheint Bursian Gr. Geogr. I 299 aassor Acht zu lassen, der die sehr unbefrie
digende Vermuthung aufstellt, Dionysos sei in Liinnii seit ältester Zeit als ‘Klei&tQos verehrt und
erst nach dein Uebertritt von Eleutherä zu Attika ’Kkfv&tqtvs uingetauft worden. Mit Recht hat
sich Wieselet' Griech. Theater S. 177 A. 47 hiergegen erklärt, ohne freilich seinerseits die Frage
zu lösen.
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