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der Ariadne durch Theseus vereitelt wurde, als ein bedeutendes Ereigniss der Reli
gionsgeschichte betrachtete.
Ariadne, die „Hochheilige“, 1 ) Tochter der Pasiphae und Enkelin des Helios,
ist eine kretische Lichtgottheit, die Mondgöttin, in deren Schutz Fruchtsegen der Natur
und weibliches Geschlechtsleben steht, der Aphrodite verwandt (Hock Kreta II 146 ff.)-
Durch unglückliche Fehden mit den zur See überlegenen Kretern scheinen die Athener
eine Zeit lang gezwungen gewesen zu sein, die Hoheit der feindlichen Insel dadurch
anzuerkennen, dass sie zu dem enneaterischen Fest des kretischen Sonnen- und Mond
dienstes eine heilige Theorie von Knaben und Mädchen entsandten. Endlich trat eine
Krisis ein. In Athen tauchte der Gedanke auf, den Dienst der Mondgöttin Ariadne
anzunehmen 2 ) und dadurch dein verhassten Tribut ein Ende zu machen. Das
bedeutet die Liebe des Theseus zur Ariadne und ihre Entführung (vgl. Höck
Kreta II 84 ff.). Aber Athene thut Einsprache. Sie erscheint dem Theseus auf Naxos
im Traum und befiehlt ihm, die Geliebte zu verlassen Er gehorcht, und Ariadne in
ihrem Jammer wird von der ihr verwandten Aphrodite auf Dionysos vertröstet, der
sich dauernd mit ihr verbindet (Pherecydes fr. 106 in schob Odyss. \ 320); oder (nach
der Nekyia) Artemis, die früh in Attika, wenn auch zunächst nur als Localgottheit,
Fuss gefasst hatte, schreitet gewaltsam gegen die Rivalin ein und räumt sie aus dem
Wege; oder Dionysos selbst schüchtert den Theseus ein, ihm die Geliebte zu über
lassen (Diod. V 51). So wird der Sieg einer national-orthodoxen Partei in Athen und
der Austausch der Religionen zwischen den beiden durch Handelsverkehr verbundenen
Inseln Naxos und Kreta mythisch umschrieben. Denn auf Naxos, auch Dionysias
genannt (Plinius n. h. IV 12, 22, 67), war seit den ältesten Ansiedlern der Insel, den
Thrakern, die über 200 Jahre lang dort geherrscht haben, der Dienst des thrukischen
Dionysos heimisch. Daher rühmten sich die Naxier, dass der Gott, den Zeus gleich
nach der Geburt vor dem Zorn der Here auf ihrer Insel geborgen habe, hier von
Nymphen erzogen sei: so liebe er denn diese seine zweite Fleimath ganz besonders
und habe sie mit Seemacht und vorzüglichem W ein gesegnet (Diodor V 50 ff.).
Uebrigens wurde er dort mit zwei Gesichtern dargestellt: als der orgiastisch-schwär-
mende, ß«>c%fuf, 3 ) von Rebenholz, und als der versöhnte, von Feigen-
*) Hesychius: ’AquSrikav' Ttjv 'A^iadyr/y. adviv ayvov.
2 ) Hatte doch auch ihr llrudcr, der Cei'ealische Heros Androgeos, in Phaleron einen Altar
(Tnusan, I. 1, 4) und im Kerameikos Leichenspiele, deren schon Hesiod gedachte: Hesychius in
Bv^vyvp äytoy, Vgl. Hück Kreta II 76 ff.
3 ) Bax^oi ist der im Rausch, in der Verzückung Redende, Jauchzende. Etym. m. ßäx^os.
/xtttyofityog, nctQcc to ßäC oiyixtc
auf missverständlicher Gräcisirung des hebräischen bechi oder bucht, wie mich mein College Nöldeke
belehrt.) Eustathius p. 1431: 0 ' p t dalfiovi XttTax^rjdTixüg xvß7)ßoi ikfy(TO, o
xai Säßoi xal 2aßcc{ios xal Baxyog xal B a ßä xt rj i xal Baßai xal IfT/raytjg xal (fiktdoiy. Vgl, ßcc^ttv,

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