Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1869 (Band XVI.)

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Von dionysischen Anklängen werden gestreift und hier und da durchzogen 
die Sagen von Theseus, dem Repräsentanten der Vereinigung aller zwölf Phratrieen 
der attischen Landschaft zu einer staatlichen Gesammtheit. Ob dies auf einmal und 
"’ann es geschehen ist, geht uns hier Nichts an. Noch früher erfolgte durch Hinzu 
tritt der Tetrapolis im nördlichen Attika die Einführung der apollinischen Religion 
(vgl. Curtius Gr. Gesch. I. 246 f. Mommsen Heortol 51). Es konnte nicht ausbleiben, 
dass der Einzug des Pythischen Gottes zugleich seinem Schutzgenossen den Weg 
bahnte, wenn auch langsam. Hiess doch einer jener vier Orte sogar Oinoe, wodurch 
Weincultur und Bacchusdienst verbürgt ist. 
Der kretische Zug des Theseus namentlich steht unter dem Schirm Apollons. 
Iin Delphinion zu Athen weiht Theseus vor seiner Abfahrt im Namen der Sendlinge 
dem Apollo Delphinios, dem auch dort verehrten Schiffergott von Chalkis (Gerhard 
Mythol. § 301, 2. 302. Mommsen Heortol. 1. 48: vgl. Schömann opusc. I 344), die 
Wollumwundenen Oelzweige (Plut. Thes. 18. Mommsen Heort. 398 f.); er bringt dem 
Apollo euhus, sowie der Artemis ovXict Gelübde für glückliche Heimkehr (Pherecydes 
fr. 106 M.) und löst dieselben nach seiner Zurückkunft durch Stiftung der Pyane- 
psien; der delphische Gott befiehlt ihm, als Führerin auf der Fahrt Aphrodite (die 
phönizische Göttin der Seefahrer) anzurufen (Plut. a a. 0.), und auf Delos weiht er 
dem Apollo das uralte dädalische Bild der Kypris *). 
ln das Verhältnis des Theseus zur Ariadne aber greift Dionysos bekanntlich 
sehr bedeutend ein (s Höck Kreta II Hl d)- Sie wird nach der Nekyia (321) auf 
1ha (Naxos) von Artemis getödtet Alovvaou auf das Zeugniss des Dionysos 
bin, dass sie nämlich im Bezirk seines Tempels sich mit dem Geliebten verbunden 
habe. Die Theogonie (947 ff.) dagegen berichtet, dass jener die Tochter des Minos 
zu seiner Gattin gemacht habe. Ein Schriftsteller über Kreta (‘qui Cretica conscripsit’ 
Hygin astron. II 5) Hess diese Vereinigung bereits auf Kreta geschehen; die Naxier 
nahmen diese Ehre für ihre Insel in Anspruch (Diodor IV 61), während Andere ihr 
nur einen Priester des Gottes auf Naxos, mit dem durchsichtigen Namen Oinaros, 
zum Gemahl gaben (Plut. Thes. 20) Von Iheseus hatte sie nach attischer Sage zwei 
Söhne, Oinopion und Staphylos (Plut. a. a. ().); im jüngeren Dionysostempel zu 
Athen aber war ausser Anderem folgendes Gemälde: Ariadne im Schlaf, Theseus ab 
segelnd, und Dionysos kommend, um Ariadne zu entführen (Paus. 1 20, 3), natürlich 
Von Naxos. Ein ähnliches von Polygnot in der delphischen Lösche stellte dieselbe 
auf einem Felsen sitzend dar und wie Dionysos, mit grossem Gefolge zu Schiffe her 
angekommen, sie dem Theseus entriss (Paus. X 29, 4). Man sieht, dass man in 
Athen wie in Delphi die Dazwischenkunft des Dionysos, wodurch die Heimführung 
') Dicaearch bei Plut. Thes. 21, Pausan. IX 40, 4. Ueber das alte Verhältnias Athens 
zum delischen Apollon s. Mommsen Heortol. 50; vgl. Gerhard Myth. § 305, 7.
	        

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