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Unter Amphiktyon zuerst in die Stadt kommen liess, hierbei an den Einfluss des
Apollinischen Völkerbundes dachte. 1 ) Und wenn auch in der That Weinbereitung
und Bacchusdienst, wie natürlich, zuerst auf dem Lande getrieben wurde, so schien es
doch der Würde der Stadt angemessen, in der Sage schon früher den Gott mit dein
Könige selbst in gastfreundliche Beziehung zu bringen, statt die Weinbauern zu Lehr
meistern der stolzen Bürger zu machen. Auch hatte die patriotische Geschichtschrei
bung ein Interesse, der Stadt in möglichst früher Zeit den Ruhm einer weisen Be
handlung der gefährlichen Gottesgabe und edlerer Sitte zu sichern. 2 ) Daher die Da-
tirung vor Pandion. Vermuthlich wollte man auch den Frauen von Semaehos die
Priorität vor den Ikariern sichern, indem man den Gott schon unter König Amphiktyon
zu ihnen kommen liess (Eusebius chron. p. 30).
Auf bestimmter Monumentenkunde aber wird doch wohl beruhen, was in dem
Bericht des Philochorus bei Athenäus a. a. 0. folgt: Amphiktyon habe im Heiligthum
der Horen dem Dionysos oqbos und in der Nähe auch den Nymphen, den Pflege
rinnen desselben, einen Altar gestiftet. Warum sollte dem zeugungskräftigen Spender
alles Obst- und Gartensegens, zumal der schwellenden Traube, nicht zunächst als
einem Dämon der Natur ein Altar mit dem Symbol des Phallos errichtet sein, eben
in der wasserreichen Niederung der Limnai, der athenischen Nysa, wo auch Horen
und Nymphen ihre heilige Stätte naturgemäss bereits gefunden haben oder gleichzeitig
finden mochten? Bekannt ist der phallische Dionysos 3 ) und die Rolle, welche er bei
den ländlichen Festen spielte, bekannt seine Verbindung mit Horen und Nymphen,
die auf keiner späteren Reflexion beruht, sondern in dem Wesen und Beruf des Gottes
selbst begründet ist: warum sollte ein so bedeutender borscher classischer Zeit, dem
die Alterthümer der Heimath aus eigner Anschauung und gründlicher Untersuchung
aufs genaueste bekannt waren, nicht uralte Heiligthümer aus vorhistorischer Zeit vor
gefunden haben? wie unwahrscheinlich dagegen der Verdacht, dass er seinen eignen
Landsleuten den Glauben an fingirte oder postulirte Monumente zugemuthet habe? 4 )
') Den Andeutungen der Sage entspricht dagegen nicht die Auffassung des athenischen
Amphiktyon als Eponymos der zu staatlicher und sacraler Gemeinschaft zum erstenmal vereinigten
Umwohner — äfiif ixtCovtc — hei Welcker Tril. 302 Nachtr. 208 und Gerhard acad. Abh. II (Anthest.) 208.
2 ) Von solcher Rücksicht war der Schriftsteller Staphylos aus Naukratis frei, der nach
Athenaeus II 45 c. den Ruhm jener „Erfindung“, Wasser mit Wein zu mischen, dem Melampus
zusprach (vgl. Herod. II 49).
3 ) Herod. H 48. f. Athenaeus XIV 622 c. Lobeck Agl. 661. O. Müller Dor. I 386.
Böckh Lenäen (Berl. Acad. 1816) 118. Welcker Nachtr. 189. A. 20. Gerhard Anthest. A. 30. 45. 84.
Es w%r keine aoT(Qa y^ovils, dass Welcker Gr. Götterl. II 609 unter omit Philochorus den
„Aufrechtstehenden“, „Nichtberauschten“ als Vorbild ftr die Zecher verstand.
*) Gegen Welcker Götterl. III 11. An der Thatsache zweifelt nicht Wieseler in der
Halle’schen Encycl. Griech. Theater S. 173. A. 12. Zwei Horen wie zwei Charitinnen in Athen
Beit Alters verehrt: Paus. IX 35, 2.

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