ältester Zeit anerkannt sind (0. Müller Orchomenos, S. 379 ff. Bursian Gr. Ge. J 158).
Sie hatten den wildorgiastischen Dienst des Sabazios, der dann in Theben zum Dio
nysos wurde, nach Hellas initgebracht, der delphische Gott hatte dem Ankömmling
im eignen Heiligthum eine Stätte neben sich einräumen müssen: drei Wintermonate
waren in Delphi der Erweckung des im Hades Schlafenden geweiht (Plutarch Is. 9);
neben der Orakelstätte beim Dreifuss lagen seine Gebeine begraben 1 ), und während
im Heiligthum ein geheimes Opfer von den „Reinen“ verrichtet wurde, schwärmten
die Weiber auf dem Parnass (a. a. 0. 35. Philochorus fr. 22. M.). Auch die unglück
liche Prokne, Pandions Tochter, des Tereus Gemahlin, lässt Ovid an diesen bacchischen
Festen theilnehmen (Metam. VI 587 ff.). Zu jener Zeit, als Attika in Grenzkämpfen
mit den Thebanern von den thrakischen Nachbarn Hülfe erhielt, wird auch in Theben
Bacchus bereits heimisch gewesen sein. Auf thrakischen Einfluss deutet die Legende
bei Pausanias IX 16, 6; in der Nähe des Theaters sei ein Tempel des Dionysos
Ave tos, derselbe habe nämlich thebanische Gefangene aus den Händen von Thrakern
befreit. So drang also auch über Attika’s Grenze durch Berührung mit den thra
kischen Ansiedlern in Phokis die bacchische Schwärmerei: düstre Schwermuth und
Sehnsucht nach Sühne treibt die Weiber in den .Wald. Wie die Frauen von Delphi
und Theben auf dem Parnass umherschweifend den in der Unterwelt weilenden Gott
suchen und rufen, so irrt Erigone, ein Bild zugleich der am Baum schwankenden
„frühlingsgeborenen“ Rebe und bacchischer Schwermuth, angstvoll umher nach ihrem
Vater, so schwärmen die Mädchen von Ikaria, von der ungesühnten Blutschuld der
Gaugenossen getrieben. Sie legen Hand an sich selbst, bis Men sc hen o p fer, zunächst
die Frevler selbst, die Gottheit versöhnen und dem W ahnsinn ein Ende machen. Das
Gebot des delphischen Orakels ist die erste Spur, dass die dortige Priesterherr
schaft die Einführung des Dionysos in Attika begünstigte. Mildere Gesittung verwan
delte später die blutigen Sühnopfer in die symbolische Reinigungsceremonie der ct'iooqot,
und ein Lied, ccAtjTis, dem Andenken der Erigone gewidmet (Athen. XIV 618 e.
Pollux IV 55), erinnerte an die schwärmenden Mädchen. 2 )
M ä n a d e n waren se it alter Zeit auch diel öchter des Gaues Semachidae in der
Epakria. 3 ) Wenn Dionysos selbst den Töchtern des Eponymos, die ihn bewirthet. hatten,
') Eusebius chron. p. 44: tü dl ßovXofilviß näqMTiv td f Ty avroi T,jr ja^rjv ly JtXifoTf naqa roV
IdniXluya toy yqvaovy.
2 ) Hesychius alajqa und äl^nc. Servius Acn. VI 741. Athenaeus XIV 618 e. Pollux
IV 55. Hermann G. A. 23, 13. 27, 16.
3 ) Philochorus bei Steph. Byz. ^fiaytdai und bei Eusebius chron. p. 30; xaxd ’AfKftxrvuya
toy JivxaXiioyoc vliy T,vd ^aai, Jiivvaov tls rjv Utrtxyy ll&iyra ttvu&iivai S^/unyio xal jr, »vyaiql avroi
rtßQfdn dutfaaoöat. htqo S d' f t y olxog l x SfftÜr,i (vielmehr ij S Ix: Vgl. p. 28: äfintlovqyla vnS Aioyiaov
lyvmqCa&q, oi x l toi Ix 2t/Ailq S ). > Hieronymus: Deucalionis filius Dionysus, verum non ille Semelae
films, cum iu Atticam pervenisset, hospitio receptus a Semacho filiae eius capreae pellem largitus est.

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