Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1869 (Band XVI.)

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Unter den Legenden über die Einführung des Dionysoscultus in Attika steht an der 
Spitze die des Gaues Ikaria. Unter König Pan d i o n, dem fünften seit Kekrops, kamen, 
so heisst es bei Apollodor III 14, 7, Demeter und Dionysos nach Attika. Letzteren nahm 
I kariös auf und empfing zum Lohn eine Rebe. Er zieht Wein daraus und kommt mit der 
Gottesgabe zu Hirten, um ihnen davon mitzutheilen. Aber diese trinken, ohne W^asser 
heizumischen, uniriässig davon, im Rausch glauben sie sich vergiftet und tödten ihn. 
Am Tage kommen sie zur Besinnung und begraben den Erschlagenen. Der Tochter 
Er i go ne, welche den Vater sucht, zeigt der Hund Maira die Leiche: in ihrer Trauer 
erhängt sie sich. Dieser Erzählung fügt ausser einigen unwesentlichen Ausschmückungen 
Probus noch Folgendes hinzu: es sei eine Krankheit unerhörter Art über Attika aus 
gebrochen, die Mädchen seien wahnsinnig geworden und hätten sich in den Wäldern 
erhängt, Auf Befragen habe Apollo durch sein Orakel als Mittel gegen diese plötzliche 
Raserei sofortige Bestrafung der Mörder des Ikarios verordnet. Dies sei denn geschehen 
und habe geholfen: dem Ikarios, seiner Tochter und dem Hunde, die sämmtlich unter 
die Sterne versetzt seien, stifteten die Hirten einen Opferdienst und ein Fest, wobei 
an Bäumen schwebende Puppen (oscilla) an die erhängten Jungfrauen erinnerten. 1 ) 
Es ist leicht, den Kern echter historischer Erinnerung aus dieser Legende her 
auszuschälen. Der Weinbau war in Attika auf dem Lande so alt als der Getreidebau : 
beides hatten die ersten Ansiedler aus der indogermanischen Heimath mitgebracht. 
Pandion erhielt gegen die Thebaner Hülfe vom I hrakerkönig Tereus, der irn Pho- 
kischen Daulis herrs.chtv Dort wohnten damals nach, dein Zeugniss des Thucydides 
II 29, der an der historischen Persönlichkeit des Tereus nicht zweifelt (Grote hisf. 
of GreetJe I 197), Thraker, wie überhaupt Wohnsitze derselben in jener Gegend aus 
>) Probus zu Vergil ge. II 385. Die für unser» Zweck wesentlichen Züge mit unbedeu 
tenden Variationen auch bei Hygin fab. 130 astron, II 4, nur dass an letzterer Stelle mit Berufung 
auf Eratosthenes noch das Spiel des Schlauchtanzes mythisch auf Ikarios zurückgefiihrt wird. Das 
ganze Material bei Osann Cassler Philolvs. 1843. S, 15 ff.
	        
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