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Durch Aufforderung des Curatoriums vom 6. Januar 1870, geschehen im Aufträge Sr,
Excellenz des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten, hatte
das akademische Consistorium Gelegenheit, die allgemeinen Wünsche der Universität, so wie
die besonderen der Facultäten und Institute genau zu bezeichnen. Es geschah in dem Bericht vom
2. Februar 1870. Der endliche Beginn des Universitätsbaues, die Vervollständigung des Lehrkörpers,
die Verbesserung, der Um- oder Neubau einer Anzahl akademischer Institute, namentlich der medi-
cinischen Facultät, die ungenügende Räumlichkeit der Universitätsbibliothek, sind darin ausführlich
der Förderung des hohen Ministeriums empfohlen worden. Wir sehen in der Erfüllung dieser
Anträge eine Lebensfrage unserer Universität, da die kleinen Universitäten jetzt überhaupt nur
durch besonders sorgsame Pflege in dem Wettstreite mit den reicheren und grösseren Schwestern
bestehen können.
Zu den unerledigten Wünschen gehört die Bestätigung des Entwurfs neuer Universitäts-
Statuten, welche von dem akademischen Consistorium unter dem 8. Februar 1868 eingereicht
worden sind. Auch für die Abschnitte, welche uns namentlich zu einer rascheren Geschäftsführung
erspriesslich erscheinen, ist die provisorische Genehmigung, welche in Vorstellungen vom 1. April
und 10. November 1869 erbeten wurde, bis jetzt nicht erfolgt.
Erwähnung verdient, dass die philosophische Facultät bei dem hohen Königl. Ministerium
eine Aenderung der Habilitationsordnung beantragte und dass unter dem 14. October 1869
ein Reglement für die Habilitation von Privatdocenten bei der philosophischen Facultät erlassen ist,
wonach die bisherige Berechtigung der hier rite promovirten Doctoren der Philosophie zu Vorlesungen
an der Kieler Universität aufgehoben ist und die venia docendi auch von ihnen durch Dissertation,
Probevorlesung und Colloquium erworben werden muss. Ausserdem ist bestimmt worden, dass die
Zulassung zur Habilitation in der Regel erst zwei Jahre nach der Promotion erfolgen darf.
Zum Rector für das Universitätsjahr 18 T0 /7i war Professor Dr. Beckmann wieder erwählt
worden. Durch seine Annahme eines Rufes nach Erlangen ward jedoch eine Neuwahl nothwendig,
aus welcher Professor Dr. Weinhold als Rector hervorging.
Für Professor A. Beckmann:
K. Weinkold.
2) Die Universität«-Bibliothek.
Aus dem über das Jahr 1869 und die ersten Monate des Jahres 1870 erstatteten Bericht
zu dem Accessionsverzeichniss dieser Zeit.
Ich erlaube mir aus dem Bericht 1) einige Worte über den Zuwachs der Bibliothek,
2) über ihre Bedürfnisse, 3) über etliche Handschriften und alte Drucke, sowie 4) über die Kieler
Druckereien hervor zu heben.
I.
Auch im verflossenen Jahr erhielt die hiesige Universitätsbibliothek werthvolle Geschenke
von Sr. Majestät dem Könige (die photographische Nachbildung der ersten Ausgabe des Reinecke
Voss), von Sr. Kaiserlichen Hoheit dem Prinzen Napoleon die Fortsetzung der Correspondenz

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