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burger suchte man mit der Aussicht zu locken, durch Besiegung der Schweden nun
in den unbestrittenen Besitz von ganz Pommern gelangen zu können; 29 ) sogar zu
einigen Veränderungen des Prager Schlusses zeigte man sich geneigt. 30 ) Kaum ist es
abzusehen woher auf einmal alle diese sanguinischen Hoffnungen kamen; glaubte man
doch selbst die langgewünschte Trennung zwischen Schweden und Frankreich jetzt
herbeiführen zu können.
In seiner Siegesgewissheit verscherzte man durch sein übermüthiges Betragen
aber alles. Wie es mit der von den Kaiserlichen versprochenen Nachgiebigkeit hin
sichtlich der Religionsbeschwerden bestellt war, zeigte sich schon auf der Passauer
Versammlung. Die Zeit schien gekommen, das Restitutionsedict endlich energisch
durchführen zu können. 31 ) Der Kurfürst von Brandenburg sollte auf rohe, gewaltsame
Weise zum Offensivbündniss genöthigt werden. 3 ")
Bald genug auch änderte sich die Lage des Krieges abermals und zwar zu
Ungunsten der österreichischen Waffen; doch waren vorher unter dem Eindrücke der
frühem Verhältnisse in Frankfurt wenigstens immerhin einige dem kaiserlichen Inter
esse entsprechende Beschlüsse zu Stande gebracht worden. Vor allem war es ge
lungen, die Bewilligung von 100 weitern Römermonaten (10,000,000 Fl.) durchzusetzen.
Das Kurcollegium erklärte sich sogar offen für Dänemark und sagte dem Könige die
Reichshülfe zu, trotz des brandenburgischen Widerspruches, der dem jungen Kurfürsten
ein förmliches Misstrauensvotum seiner Colleger) zuzog. 33 ) So schienen die Friedens
aussichten wieder in weite Ferne gerückt.
Denn auch in Münster und Osnabrück war man unterdessen nicht viel von
der Stelle gekommen. Dort wartete man auf die Ankunft der französischen Gesandten,
die noch irn Haag verweilten; augenscheinlich ward dieselbe unter nichtigen Vor
wänden immer wieder hinausgeschoben. In Osnabrück schien des dänisch-schwedischen
Krieges wegen nun vollends der ganze Versuch in seinen ersten Anfängen auseinander
gehen zu wollen. Denn natürlicher Weise ging es nicht wohl an, dass der bestellte
Vermittler mit einer der streitenden Parteien selbst im Kriege lag. Schweden war
freilich sehr geneigt, die venetianische Mediation anzunehmen und Dänemark ganz
vom Congresse auszuschliessen; wohingegen die kaiserliche Diplomatie das lebhafteste
Interesse an den Tag legte, dieses zu verhindern. Ein merkwürdiges diplomatisches
Spiel begann. Die dänischen Vermittler verliessen bis auf einen Residenten den Con
gress, nicht jedoch ohne vorher bei dem Deputationstage sich ihre Vermittlung feier-
av ) ib. 835.
30 ) ib. 837.
31 ) Puf. Fr. Guil. II. § 12. Urk. u. Act. I. 851.
34) Ueber Gallas Auftreten in den Marken vgl. Puf. I. § 51 Urk. u. Act. I. 871 ff.
33 ) Urk. u. Act. I. 855.

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