verliess erst am 4. Juli Osnabrück. Der Friedenseifer wird am Besten durch die
Ankunftsdaten der einzelnen Gesandtschaften illustrirt. Der kaiserliche Principal
Gesandte Graf Nassau ward am 30. Juli in Münster empfangen. Am 5. September
erschienen mit prächtigem Hofstaat die durch den Präliminartractat zwischen dem
Kaiser und Schweden bestellten dänischen Vermittler in Osnabrück- am 6. November
der spanische Gesandte. Am 17. desselben Monats langte der schwedische Vertreter
Johann Adler Salvius in Osnabrück an, doch ohne seinen Collegen, dem jüngeren
Oxenstjerna, der ihm erst am 27. März 1614 nachfolgte. In denselben Tagen —
März 1644 kam der Gesandte Frankreichs, der Graf d’Avaux nach Münster und
am 5. April endlich auch dessen College Graf Servien. Von den Reichsständen war
noch nichts zu hören. Der Kampf für ihre Zulassung ward für jetzt noch auf einem
andern Felde, auf dem ordentlichen Reichsdeputationstag, geführt.
Gleichzeitig im Sommer 1643 mit den Anfängen des Congresses tagte der
selbe in Frankfurt am Main. Formell nur zur Vorberathung für die Justizreform
berufen, gelang es der geschickten Politik der Friedenspartei, die Vertretung des
Reiches bei den beginnenden Congressverhandlungen nochmal zum Gegenstand der
Berathungen zu machen. Man argumentirte folgendermaassen lfi ): eine gründliche
Reform des Justizwesens hat Aussicht auf Erfolg nur bei wiederhergestelltem Frieden,
also ist vorher über die Mittel zur Wiederherstellung desselben d. h. der äussern und
innern Pacificirung zu berathen. Schon in seinem Ausschreiben hatte der Kurfürst
von Mainz einer der eifrigsten Beförderer der Friedensbestrebungen, die Mitglieder
der Deputation aufgefordert, ihre Gesandten mit Instructionen in Bezug auf die Be
schleunigung des Friedenswerkes zu versehen. Die Ereignisse mussten bald weiter
drängen 17 ). Je mehr die Admissionsfrage in ihrer Bedeutung erkannt ward, desto
schärfer gruppirten sich ihr gegenübei die Paiteien.
Die Ansicht, dass auf Grund des Regensburger Abschiedes für irgend eine
Vertretung des Reiches 'auf dem Congresse Mittel gefunden werden müssten, fand
bei den Ständen kaum einen Widerspruch. Davon war nicht mehr die Rede, dem
Kaiser allein die Interessen des Reiches anzuvertrauen. Je mehr man den Frieden
um jeden Preis“ erstrebte, desto mehr entschloss man sich zu selbstständigem Vor
gehen Dabei machte sich nun aber bald ein neuer Gegensatz geltend, der zwischen
kurfürstlicher und fürstlicher Politik. Die Politik der kurfürstlichen Präeminenz,
d h des olmarchischen Septemvirats, stand den ständischen Absichten auf eine
Föderativrepublik direct entgegen. Die Präeminenz hing mit der hierarchischen
Gliederung des Reiches auf’s engste zusammen > fiel sie, so war in die alte Reichs-
16 ) Puf. Fr. G. II. § l.
17 ) Vergl. die Einleitung, welche Erdmannsdörffer zu den Actenstücken, betreffend den Deputationstag,
giebt. Urk. u. Act. I. 7 93. ff.

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