Full text: (Band XV.)

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dass die Amnestie demnach auch bis zur völligen f^ussöhnung mit den Ständen sus- 
pendirt bleiben müsse. — Die gegentheilige Auffassung war politischer. Sie verlangte 
durch ein unbeschränktes Amnestiedecret Herstellung des status quo ante und dann 
ausgleichende Verhandlungen über die obschwebenden Streitfragen, sowohl mit 
dem Auslande als auch andrerseits zwischen Kaiser und Ständen. Sie fühlte, 
dass die neuen Verhältnisse auch in neuer Weise behandelt werden müssten. Eine 
derartige unbeschränkte, wo möglich bis zum Jahre 1618 zurück r eichende Amnestie 
hiess aber die oberrichterliche Stellung des Kaisers während des Krieges als aufge 
hoben betrachten, das System Ferdinand II., den Prager Frieden desavouiren. So 
gelang es natürlich nicht, damit bei dem Kaiser und seiner Majorität durchzudringen. 
Bei einem Versuche der kurbrandenburgischen Gesandten in Bezug auf eine Revidirung 
des Prager Schlusses, stossen sie auf solchen Widerstand, dass sie sofort einlenken 
und beschliessen „etwas remissius* fortzugehen 9 ). 
Die kaiserlichen Vorschläge wurden im Wesentlichen angenommen. 
Damit ergab sich die Erledigung der übrigen Fragen von selbst Zur Fort 
setzung des Krieges ward eine Anzahl Römermonate bewilligt, eine neue Quartier- und 
Verpflegungsordre erlassen; es war selbstverständlich, dass wie dem Kaiser laut 
Prager Schlusses die Führung des Krieges allein zustand, er ebenso auch allein den 
Frieden zu verhandeln haben würde. Kaum konnte man es durchsetzen, dass den Ständen 
— abgesehen von der schon auf dein Kurfürstentage von 1636 beschlossenen Assistenz, 
die Kur-Mainz und Kur-Brandenburg bei den Friedensverhandlungen dem Kaiser leisten 
sollten — erlaubt sein sollte, ihre Gesandten nach dem Congresse abzuordnen, um 
ihre Wünsche den kaiserlichen Commissarien bei Zeiten zu coinmunieiren 10 ). Und 
doch lag in diesem an sich unbedeutenden Zugeständniss schon ein erster Schritt 
rückwärts von dem System des Prages Friedens. Am 10. October 1641 fand die 
Verlesung des Abschiedes Statt. 
Ferdinand konnte mit den formellen Resultaten des Reichstages zufrieden 
sein. Der Prager Frieden und damit bis nach erfolgtem allseitigen Friedensschluss 
die kaiserliche Dictatur war anerkannt — leider nur von der katholischen Majorität 
der kleinen geistlichen Stände. Die grossen evangelischen Fürsten blieben zum Theil 
unversöhnt. Das Reichskriegsheer ward nicht aufgestellt; die Contributionen wurden 
9 ) Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des grossen Kurfürsten, ed. Erdmannsdörffer. I. 728 ff 
10 ) § 11 des R. A. (bei Senkenberg). Wir haben uns auch mit Unsern und des heil. Reichs Chur 
fürsten dahin entschlossen und verglichen, dass dieselbe, wie sie es rathsam und gut befinden, entweder insgemein 
oder absonderlich die Ihrige zu den bevorssehenden Friedenshandlungen ein und andern Orts abordnen mögen, 
wie dann auch allen und andern Reichsfürsten hiemit verstattet und zugelassen sein solle, die ihrigen dahin eben 
wol, und zwar zn dem End abzuschicken, damit sie mit den Kayserl. Commissariis des heil. Reichs und ihrer 
Principale Notdurfft in Zeiten coinmunieiren mögen.
	        
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