Full text: (Band XV.)

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Wären auf diese Weise die innern Streitigkeiten erledigt, so sollte dem Kaiser 
zur Fortsetzung des Krieges gegen die fremden Mächte und zur Aufrechthaltung des 
Prager Schlusses 3 ) die unbedingte Verfügung über die gesammte Heeresmacht des 
Reiches zustehen. Er ernennt und verpflichtet die Officiere, „sonderlich aber auch 
auf die Handhabung dieses Friedens-Schlusses.“ Kein Stand soll weitre Truppen halten 
dürfen, als zur Besetzung seiner festen Plätze nothwendig sind. Eben so wenig sollen die 
Stände hinfort das Recht zu irgend welchen Bündnissen und Einigungen behalten. Das 
alte im foederum wird aufgehoben 4 ), ebenso wie alle sonstigen Rechte und Verfassungs 
bestimmungen, die mit dieser neuen Verfassung in Widerspruch stehen. 5 ) Sie wird 
als Fundamentalgesetz des Reiches hingestellt. Als solches soll sie sämmtlichen Reichs 
ständen zur Annahme notificirt werden • binnen zehn Tagen muss diese erfolgen, sonst 
wird mit gewaffneter Hand gegen sie eingeschritten 6 ) und zwar haben nach § 73 die 
Renitenten zudem noch die erwachsenden Kosten zu tragen. 7 ) . 
„Schliesslich“ erinnern sich zwar die hohen Contrahenten, dass sie zu einem 
derartigen Schluss keine Befugniss haben, doch hat die „unumgängliche Noth“ ein 
solches Verfahren gefordert. Die Reichsverfassung war somit aufgehoben. 
Aber noch waren die deutschen Stände zu einer solchen schimpflichen Unter 
werfung lange nicht geschwächt genug. Noch fanden sie ihren Rückhalt am Auslande; 
und es darf nicht Wunder nehmen, dass sie sich dieser Vergewaltigungspolitik gegen 
über desselben unbesehens bedienten. 
Mit unverminderter Gewalt raste das Kriegsfeuer weiter. Und als die erwar 
teten Wirkungen des Prager Friedens ausblieben, so machte man einen zweiten Ver 
such der Aussöhnung mit den Ständen. Es galt, der neuen Verfassung eine gesetz- 
mässige Sanction zu geben. Ein im Jahre 1640 zu Nürnberg abgehaltener Kurtag 
hatte sich dafür nicht für competent erachtet. Auf seinen Rath ward deshalb ein 
Reichstag nach Regensburg berufen. 
Wie sehr dem Kaiser an dem Gelingen dieser Aussöhnung lag, bewiess er 
durch seine persönliche Gegenwart auf dem Reichstage. Wie wenig richtig er aber 
auch jetzt noch die politische Lage auffasste, die nie mehr rückgängig zu machende 
*) § 67. 
4 ) § 77. 
5 ) § 88. 
6 ) § 41. „Sodann sollen und wollen Ihre Churfürstliebe Durchl. mit erst angeregter Kayserl. Reichs- 
Armada verhelften, dass auch den Catholischeu im Reich das ihrige, diesem Vertrag und Friedenschluss gemäss, 
zum schleunigsten wiederum!) eingeräumt werde, es möchten sich gleich die andern Augsburgischen Conlessions- 
verwandten Churfürsten und Stände zu diesem Accord bekennen, und demselbigen gemäss verhalten oder nicht. 
7 ) — sondern es mag denen, die sich diesem Friedens-Schluss entweder gar nicht, oder doch nicht ge 
nugsam bequemen, und an dess Vaterlands desto länger wehrender kostbarer Armatur schuldig seyn, da sich deren 
über Verhoffen einige finden sollten, desto stärker zugesprochen, und die Ersetzung aus denen, so denselben zu 
stehet, vermög der Reichs-Ordnung gesuchet werden.
	        
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