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haftigkeit ausgeführte grössere Reihe von Beobachtungen vorliegen muss. Diese hat
aber bei den bisherigen Angaben gefehlt, wie sehr man sie auch bei der tiefgreifenden
Bedeutung dieser Verhältnisse, auf physiologischem und pathologischem Gebiet ent
behren musste; und besonders ist bei den Messungen von Temperaturschwankungen
nicht genug Gewicht darauf gelegt, dass dieselben sowohl in entsprechend geringen
Zeitabschnitten ausgeführt würden, wie auch unter gleichen äusseren Bedingungen.
Solchen Anforderungen, nämlich: dass die Messungen genau, in hinreichender Anzahl,
in kleineren Zeitabschnitten und am passendsten Ort (dem Rectum) ausgeführt würden,
ist erst in den von Herrn Dr. Jürgensen *) angegebenen Tabellen Rechnung getragen.
Das Ejgebniss ist denn auch ein von den früheren Autoren abweichendes.
Werfen wir zunächst einen Blick auf die normalen typischen Tagesschwan
kungen, so stellt sich trotz starker Schwankungen bei den Versuchspersonen unter
sich, oder jede für sich an verschiedenen Versuchstagen, eine constante Regelmässig
keit heraus; in je 24 Stunden wird ein Minimum erreicht, am Schluss der Periode
der sinkenden Temperatur, und ein Maximum, welches den Schluss der Periode der
steigenden Temperatur bildet. Erstere erstreckt sich im Ganzen und Grossen auf die
Nachtzeit, letztere auf den Tag, und zwar betragen die Mittelzahlen aus einer grossen
Anzahl von Einzelnmessungen für erstere 37,6° C., für letztere 38,0° C; sie schwanken
also innerhalb nur sehr enger Grenzen.
An einem derselben Versuchsobjecte, von denen für die angegebenen Zahlen
bei normaler Ernährung 1. c. die Messungstabellen vorliegen, sind sodann zur Ver
gleichung in zwei Zeitabschnitten von 33 resp. 66 Stunden in Pausen von 5 Minuten
bei vollkommener Abstinenz die Angaben des Thermometers abgelesen, ohne dass
dadurch eine Abweichung vom typischen Gang constatirt werden konnte, wenn sich
auch herausstellte, dass die Zahlenwerthe durchschnittlich etwas niedriger waren.
Letzterer Umstand deutet uns auf die Richtigkeit der Annahme hin, dass allerdings
die absolute Körpertemperatur von den durch Nahrungszufuhr unterhaltenen chemischen
Processen beeinflusst werde; wie sich andererseits auch herausstellte, dass die nach
so lang ausgedehnter Nahrungsentziehung nothwendig massenhafte Nahrungszufuhr
eine höhere Temperaturangabe zur Folge hatte.
Man hat also über die Ursachen der typischen Tagesschwankungen bislang
keine Daten gewinnen können. Da es nun nichts Seltenes auf physiologischem Ge
biet ist, dass die Abweichungen von der Norm den richtigen Weg zur Lösung eines
Räthsels angezeigt haben, so konnte die Vermuthung wohl nahe liegen, dass, bei' der
grossen Bedeutung der Körpertemperaturfrage für die mannigfachsten pathologischen
Verhältnisse, von hieraus irgend ein Fingerzeig zu erwarten wäre.
*) Dr. ih. Jürgensen: Zur Lehre von der Behandlung fieberhafter Krankheiten mittelst
des kalten Wassers. Deutsches Archiv III. 1867, P. 165. 1868, P. 111.

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