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letzteren dazu bestimmt seien, zum Wiederersatz der wichtigsten Gewebe, namentlich
der Muskeln zu dienen.
Wenn man sich auch vor verführerischen Schlussfolgerungen aus Liebig’s
Berechnungen hüten muss — denn ein Theil seiner Nachfolger hat sich verleiten
lassen, die Analogie zwischen dem Organismus und einem Ofen zu sehr ins Detail
auszuspinnen — so geht doch aus denselben der Zusammenhang von Nahrungsmitteln,
Stoffwechsel und Wärmeproduction zur Genüge hervor. Beispielsweise werden dies
folgende Angaben Traube’s für einen speciellen Fall, das Amylurn, beweisen: Zunächst
wird schon bei der Umwandlung derselben in Zucker eine wenn auch geringe Menge
Wärme entwickelt; in höherem Grade bewirkt dies die Umwandlung des Zuckers in
Kohlensäure und Alkohol, wie auch schliesslich der Uebergang des Alkohols in Kohlen
säure und Wasser. Traube misst das Endresultat dieser Reihenfolge nach Wärme
einheiten (diejenige Wärmemenge, durch welche ein Gramm Wasser von 0° auf + 1°
erwärmt wird); für das Gramm Amylurn ergiebt das eine Verbrennungswärme von
4232 Wärmeeinheiten.*) Jedenfalls aber ist constatirt, dass Nahrungsmittel, Stoff
wechsel und Wärmeproduction in einem genetischen Zusammenhänge stehen.
So naheliegend es zu sein scheint, so dürfte es doch fraglich sein, ob damit
auch gesagt ist, dass eine zeitlich parallel laufende Verbindung zwischen Nahrungs-
zufuhr und Wärmebildung, d. h. zwischen Aufnahme von Spannkräften und Ausgabe
von lebendiger Kraft Statt findet. Man suchte die Lösung einer physiologisch wich
tigen Frage, und machte ein Gesetz aus dieser Verbindung — allein mit Unrecht.
Dass solche aprioristische Schlussfolgerung zum Mindesten zweifelhaft sei,
würde sich schon aus dem Vergleich mit einer anderen Function des Organismus
ergeben, nämlich der Muskelthätigkeit.
Wärme und Muskelthätigkeit stammen aus derselben Quelle, aus dem Ueber
gang der in loseren Verbindungen befindlichen Bestandtheile des Thierleibes in die
festeren Verbindungen seiner Excrete, unter Hinzutritt des bei der Athmung auf
genommenen Sauerstoffs; also Muskelarbeit beruht auch auf Ausgabe von lebender
Kraft und Ersatz derselben von Aussen: Es hat aber in diesem Falle Niemandem
einfallen können, eine zeitliche Zusammengehörigkeit von Kraftaufnahme und Kraft
ausgabe anzunehmen, und das ist auch ganz richtig, es involvirt dies aber gleich
zeitig die Werthlosigkeit eines Gesetzes in jenem Falle. Und zwar begnügte man
sich nicht damit, das Gesetz im Allgemeinen zu formuliren, sondern machte sogar
für die Tagesschwankungen des Gesunden die Folgerung, dass sich dieselben nach
der Nahrungszufuhr richten sollten.
*) Traube: Ueber Verbrennungswärme der NahrungsstofFe. Virchow’s Archiv XXL
P. 414.

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