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zeugte man sich leicht durch Hin- und Herfahren mit der Präparirnadel in der Masse, dass die
selbe durch faserige Theile festgehalten wurde. Bei der microscopischen Untersuchung zeigten sich
letztere als aus jungem Bindegewebe und Capillaren bestehend; an einem Präparat sah man die
lumina zweier stark erweiterter Capillargefässe vollgestopft mit rothen Blutkörperchen. Da über
den specielleren Bau des Stiitzgerüstes bei der encephaloiden Weichheit der Massen vor der Hand
nichts festgestellt werden konnte, wurden grössere Stücke der krebsig entarteten Organe theils in
verdünntem Alkohol, theils in Müller’scher Lösung (Doppelchroms. Kali 2 gm., schwefelsaures Natron
1 gm., Aq. dest. 100 gm.) erhärtet, um sie für Schnittpräparate geeignet zu machen.
Am 1. September wurde die Untersuchung wieder aufgenommen. Feine Schnitte, die mit
Hülfe des Doppelmessers aus den Tumoren des Magens, der Leber und der Milz gewonnen wurden,
zeigten übereinstimmend ein bald stärker, bald spärlicher entwickeltes Balkenwerk von alveolärer
Anordnung. Besonders schön und deutlich trat dies Netzwerk hervor, nachdem die die Alveolen
nur lose ausfiillenden Kerne und Zellenmassen sanft mit Wasser abgespült waren. In den Leber-
carcinomen trat das Gerüst fast ganz zurück gegen die massenhaft entwickelte Zell- und Kern
formation. Unser Befund ergab für alle drei Organe die characteristischen Formen des rasch
wuchernden Carcinoma medulläre.
Die entarteten Lymphdriisen des grossen Netzes zeigten folgendes Verhalten. Stark ver-
gi'össert und von einer straff gespannten Kapsel umgeben, entleerten sie beim Durchschnitt keinen
milchigen Saft, sondern eine bröckliche, feinkörnig-graugelbe Masse, die sich microscopisch als ein
amorpher, molecularer Detritus untermischt mit zahlreichen Fettkörnchen und spärlichen, unregel
mässig geformten Zellen darstellte. In der Peripherie der Schnittflächen fanden sich vereinzelte
hämorrhagische Heerde; Präparate, die von diesen Stellen genommen wurden, zeigten ausser den
schon erwähnten Gebilden vereinzelte Zellen, die mit einem gelb-braunen Farbstoff imbibirt waren.
Von einem Stroma war keine Spur zu entdecken. Wir hatten es demnach hier nicht mit einer
carcinomatösen Entartung, sondern mit einer käsigen Degeneration der Lymphdrüsen zu thun.
Ganz besondere Aufmerksamkeit wurde auf die Untersuchung der in den Venen des Ma
gens enthaltenen markigen Massen verwandt. Sämmtliche Aeste der vena coron. sup. waren in
ihrem ganzen Verlauf von dieser Markmasse gleichmässig angefüllt und strangförmig verdickt.
Wurden die Gelasse in ihrer ganzen Länge geöffnet, so zeigte sich die hervorquellende Markmasse
der aufgelockerten inneren Wand überall gleichmässig anliegend und durch ein besonderes Faser
gerüst mit ihr verbunden. Letzteres leistete bei dem Versuche, die Geschwulstmassen von der Ge-
fässwand abzuheben, einigen Widerstand und musste zerrissen werden. Verfolgte man den Verlauf
der Gefässe in peripherer Kichtung, so verschwand schliesslich die immer dünner werdende Wand
so vollständig in der Krebsmasse, dass nicht die mindeste Abgränzung von derselben zu finden war.
Unter dem Microscop erwiesen sich die ausfüllenden Markmassen als aus spindelförmigen, runden
und eckig geformten Zellen, sowie aus zahlreichen nackten Kernen und Kernkörperchen bestehend,
die von einem feinen, unregelmässig angeordneten Netzwerk fibrillären Bindegewebes durchzogen
waren.
Die Pfortader war, soweit der Thrombus reichte, aus dem umgebenden schwieligen Gewebe
sorgfältig auspräparirt und von den übrigen Geschwülsten isolirt in einem besonderen Gefäss für
die Untersucheng aufbewahrt worden. Nach vorsichtiger Abpräparation des perivasculären Zell
gewebes erschien das um das doppelte seines Volumens vergrösserte Gefäss auf seiner äusseren

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