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fester, compacter, festhaftender Bau mit den losen Knochenblättchen der puerperalen
Osteophyten des Schädeldaches nichts gemein habe. Nach seiner Ansicht kommen
bei der Stachelbildung ganz einfach physiologische Wachsthumsverhältnisse zur
Geltung, sie sei gewöhnlich nichts Anderes als ein höher entwickeltes tuberculum
ileo pubicum, während eine schärfere Kantenbildung der linea ileo pectinea durch
Verknöcherung des ursprünglich mit dem Knochengewebe identischen Bindegewebes
des ligament. Gimbernati entstanden sein werde. Nicht unwichtig für die Stachel
bildung ist ihm ferner der Umstand, dass sich die Sehne des psoas minor mit der
fascia iliaca auf der Höhe des tuberculum ileopubicum vereinigt und bei Ver
knöcherung derselben, wie sie an Sehnenenden auch sonst so häufig, dürfte die
Entwicklung einer hügel- oder stachelähnlichen Prominenz nichts Befremdendes haben
Für letztere Ansicht tritt ihm die gleichfalls dahin lautende Meinung Luschka’s
(Anatomie des menschl. Beckens. 2. Abtheilg. Bd. II.) über die Entstehung des
Stachelbeckens unterstützend zur Seite.
Die Uneinigkeit über die Entstehung des Stachelbeckens erstreckt sich jedoch
nicht auf die Ansichten über die Gefährlichkeit eines solchen Beckens für die Geburt,
die darin liegt, dass es nicht selten Gelegenheitsursache zu Verletzungen und Rupturen
der Gebärmutter während der Geburt wird, indem die scharfen Kanten und Stacheln
den uterus gewissermaassen durchschneiden. Diesen schädlichen Einfluss räumt auch
Lambl vollkommen ein und hebt hervor, dass er sich bei skoliotischer Verkrümmung der
Wirbelsäule, rhachitischer Form des Beckens, bei Becken-Verengerungen überhaupt,
bei abnormer Beckenneigung und bei Hängebauch um so eher geltend machen werde.
Den bisher beschriebenen Fällen von Stachelbecken, die eine ruptur des uterus
mit tödlichem Ausganfe für die Mutter veranlassten, sehe ich mich im Stande, durch
die Güte des Herrn Prof. Litzmann einen weiteren auf hiesiger Gebäranstalt im
Jahre 1853 zur Beobachtung gekommenen Fall anreihen zu können. Derselbe betrifft
eine Zweitgebärende von 26 Jahren, von mittelgrosser Statur, derbem, kräftigen
Knochenbau und wohlgenährtem Aeusseren. Sie hatte mit anderthalb Jahren gehen
gelernt, wollte nie rhachatiseh gewesen sein und von gesunden Eltern abstammen 5
ihre Mutter sollte acht mal leicht geboren haben. Mit 20 Jahren trat die Menstruation
zuerst bei ihr ein und kehrte in regelmässigen Perioden wieder. Ueber ihre erste
Schwangerschaft und Geburt berichtet das Journal, dass sie Mitte December 1849
ihre letzte Menstruation hatte und die Kindesbewegungen zuerst Anfang Juni 1850
verspürte. Während des Sommers 1850 litt sie viel an cardialgischen Beschwerden
und seit dem September stellten sich wiederholt Schmerzen über der symphyse ein.
Bei der äussern Untersuchung Ende September 1850 zeigten sich die Unterschenkel
etwas geschweift, die Knöchel ein wenig plump. Das Becken erschien niedrig, nicht
sehr geneigt, dagegen war die vordere Wand desselben ziemlich geneigt und etwas

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