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Es sind nicht die als Exostosen und Osteophyten in grossartig massenhafter Anhäu
fung am Beckeneingange auftretenden Neubildungen, welche ihn interessiren — diese
glaubt er schon von Naegele, Haber, Puchelt, in genügend ausführlicher und allgemein
gewürdigter Darstellung behandelt —, sondern die wenig umfangreichen Vorsprünge
und in verhältnissrnässig geringer Erhebung vorkommenden Bildungen. Diese treten an
den verschiedensten Stellen der den Beckeneingang und seine allernächste Umgebung
bildenden Knochenstücke auf, besonders in der Nähe und an den Beckensymphysen,
am oberen Rande des Schambeins und dessen innerer Fläche, im ganzen Bereich der
linea ileopectinea, am obern Rande des ersten Sacralwirbels, sowie am eigentlichen
Promontorium und sie erscheinen daselbst unter mancherlei Gestalt, namentlich unter
der Form diffuser Knochenablagerungen, als warzenförmige, vereinzelte oder in zer
streuten Bildungen vorkommende Hervörragungen, als griffelförmige, knorrige Fort
sätze, vorzugsweise aber als messerscharfe Kanten und wahre Stachelfortsätze. Gerade
diese' letztgenanten messerscharfen Kanten und deutlichen Stachel im Bereiche der
linea ileopectinea, vorzugsweise mit Richtung in den Beckenraum hinein, sind die
charakteristischen Merkmale des von Kilian so benannten Stachelbeckens.
Rücksichtlich des Ursprungs dieser scharfen Kanten und stacheligen Hervor-
ragungen spricht sich Kilian rückhaltslos dahin aus, dass er sie nicht als ein vitium
prtmae formationis ansehe, sie auch nicht physiologischen Wachsthumsvorgängen zu
schreibe, sondern sie im Einklänge mit seiner Lehre über die Massenzunahme sämmt-
licher in und am Becken gelegenen Organe während der Schwangerschaft, als eine
pathologische Neubildung analog den puerperalen Hyporostosen des Schädeldaches,
als puerperale Osteophyten betrachtet wissen wollte, indem auch am Becken während
der Schwangerschaft und eben durch sie veranlasst eine reichere Knochenexsudation
auf die cristae und spinae hin geschehe. Dieser Ansicht tritt Lambl (Ueber Kilians
Stachelbecken, Präger Vierteljahrsschrift 1855 Bd. I. p. 142) auf das Entschiedenste
entgegen, indem er mit Recht geltend macht, dass Stachelbildung sowohl beim
männlichen als beim weiblichen Becken auftrete und zwar bei letzterem, ohne dass
es je den Process der Schwangerschaft durchgemacht hätte. Ferner träten die Pro
minenzen auf im Becken, ohne dass sich entsprechende puerperale Osteophyten im
Schädel vorfänden, wie denn ja auch in keinem der von Kilian angeführten Fälle
von Stachelbecken eines gleichzeitigen Schädelosteophyts, noch irgend einer Knochen
neubildung an andern Stellen des Skelettes Erwähnung geschehen sei. Die ver
gleichende 0 Anatomie lehre ausserdem, dass Stachelbildungen und kammartige Hervor-
ragungen als physiologische Zustände des Beckens bei vielen Familien der Sängethiere
in verschiedener Entwicklung regelmässig Vorkommen. Wiederholte Untersuchungen
haben ihm gezeigt, dass diese Spinabildungen sowohl in ihrer compacten Rinde, als
in der spongiösen Substanz sich ununterbrochen in die Beckenknochen fortsetzen und
in ihrer Textur vollkommen mit diesem übereinstimmen, so zwar dass, ihr harter,

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