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welche sich ja stets mit transversalen Ausbuchtungen combiniren,**) haben indessen durch eine Modification
dieselben noch deutlicher zur Anschauung bringen können.
Es wurden nämlich, anstatt des aufgestreulen Sandes, kleine Papierringe aus feinem Postpapier
über den Stab geschoben, deren Oeffnung so gross war, dass sie sich bequem auf dem Slabe verschieben
konnten. Sie wurden gleichmässig so angeordnet, dass die einzelnen Ringe circa 1 Cm. von einander
entfernt waren. Als nun der Ton zugeleitet wurde, machten sich periodisch deutliche Bewegungen dieser
kleinen Ringe bemerkbar, und zwar kam hierbei ein auffallendes Phänomen zur Erscheinung. Die Be
wegung der Ringe war nämlich nicht nur diejenige, dass sie sich von zwei Seiten her an einem Punkte
irgend eines Theils des Stabes, oder auch am Endpunkte desselben ansammelten, sondern diese Be
wegung geschah durch kreisende Drehbewegungen in einseitiger Richtung. Die Schwingungs
zahlen, welche den stärksten dieser Bewegungen entsprachen, waren 50,o — 138,7 — 257, 4 ; Zahlen,
welche nicht mit der Länge der in Betracht kommenden Wassersäule in Beziehung zu bringen sind.
Wenn wir in der Weise, wie Lucae es für andre Zwecke gethau bat,*) beide Fenster mit
einem U förmigen Rohr verbanden, welches Wasser mit suspendirtem ßärlappsamen enthielt, so war nur
bei den niedrigsten Tönen der Sirene ein schwacher Wirbel in der dem ovalen Fenster zunächst gelegenen
Wasserschicht bemerkbar, während sich durch die ganze übrige Tonreihe hindurch das Lycopodium
ruhig auf die beiden Fenstermembranen herabsenkte. -
Als dieses Uförmige Glasrohr derartig verändert wurde, dass an einem Ende eine ampullen
artige Erweiterung angeblasen wurde, welche an einer Seite eine durch einen Kork verschliessbare Oeff
nung besass, und dieser Kork mit feinsten Glasfäden besetzt wurde, so dass das Ende des Korkes, ana
log den halbcirkelförmigen Canälen, die Crista acustica darstellle, auf welcher die kleinen Glasfäden
die Hörhärchen imilirten, ergab die Schallzuleitung keine mit unbewaffnetem Auge sichtbare Bewegung
des Wassers, welche wir an den kleinen Hörhärchen zu beobachten gedachten. Als wir nun aber ein
Stückchen zartester Glaswolle, welche bekanntlich in allen Regenbogenfarben schillert und dabei sich durch
grösste Leichtigkeit auszeichnet, in das Labyrinlhwasser so einführten, dass es auf die vorspringendeo
Hörhaare zu liegen kam, bemerkten wir allerdings, dass dieser Körper vou einem offenbar in Schwin
gungen gerathenden Hörhärcheu sehr deutlich bewegt wurde.
Wir haben dann noch das ovale Fenster unserer Kugelflasche mit einem gläsernen Apparat in
Verbindung gebracht, welcher vollkommener das Labyrinth nachahmte. Vou dem erweiterten das Vesti-
bulurn darstellenden Raum ging seitlich ein halbcirkelförmiger Canal ab, dessen Durchmesser 3 Mm. be
trug, und in dessen Ampulle ein, mikroskopisch feine Glasfäden tragender, Kork hineinragte. Dieser auf
der Korkplatte der Müllerschen Flasche fest aufgekitteter Apparat wurde in eine solche Lage gebracht,
dass die Hörhärchen durch ein passend angebrachtes Mikroscop beobachtet werden konnten, und in der
That zeigte bei einem gewissen Ton, dessen Schwingungszahl leider nicht gezählt wurde, eines dieser
Härchen eine deutliche Schwingung, deren Excursion wohl das doppelte des Dickendurcbmessers des
Glasfädchens betrug. Andere Härchen, welche länger resp. breiter oder schmäler waren, verhielten sich
zu gleicher Zeit ruhig, schwangen indessen bei Steigerung des Tones.
*) Ä. I.iirae. lieber die Druckverhältnisse des innern Ohrs. Archiv für Ohrenheilkunde. Bd. IV. Heft I
**) Savart. Annales de Chimie et de Physique Tome LXV. — Akustik, bearbeitet von Seebeek im Repertorium
der Physik. Bd VI

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