37
Es lag nahe anzunehmen, dass die Schwingungsmaxima durch die Entstehung von stehenden Wellen, je
nach der Länge der Zuleitungsröhren, hervorgerufen würden, und die bis jetzt gegebenen Zahlen sprechen
mehr für als gegen diesen Verdacht. Der l all wäre so zu denken, dass entweder in dem Windrohr
der Sirene, oder in dein von dort rechtwinklig abgezweigten Kautschukschlauch sich stehende Wellen
gebildet hätten, deren Knotenpunkte sich ein Mal in die Mitte des T-Rohrs stellten, das andere Mal nur
eine viertel oder halbe Wellenlänge davon entfernten.
Bei der grossen Wellenlänge, um die es sich namentlich bei den niederen Tönen handelte, war
dies freilich nicht wohl möglich, da das T-Rohr bald zwei Fuss, bald nur ein paar Zoll von der Sirene
entfernt war. Wir haben jedoch das Verhalten dadurch direct zu prüfen gesucht, dass wir bei einem
Ton von 225 Schwingungen, welcher eine Maximalschwingung des Hammers bewirkte, ein über drei
Fuss langes Glasrohr in das Zuleitungsrohr der Sirene einschalteten und nun, während wir innerhalb
dieser Dimension die Länge des Sirenenwindrohrs verlängerten und verknüpften, beobachteten, ob die
schwingende Sonde durch diese Manipulation mehr oder weniger zur Ruhe zu bringen sei. Ihre Schwin
gung blieb im Gegenlheil constant, wodurch bewiesen wurde, dass in dieser Beziehung keine Täuschung
vorlag.
Die zweite Möglichkeit wäre die, dass vom T-Rohr aus bis zu der, den Schluss des Röhren-
Syslems bildenden, Membrana tympani sich stehende Wellen gebildet hätten, deren entsprechende Länge
a priori bis jetzt noch nicht anzugeben sein dürfte, weil man sie in elastischen, durch Membranen ge
schlossenen Schläuchen nicht studirl hat. Wir haben uns beschränkt, durch praktische Versuche diesen
Sachverhalt zu prüfen. Es ergab sich, dass zwei durch verschieden lange Schläuche gleichzeitig
durch die Sirene erregte menschliche Ohrpräparate dieselben Maxima zeigten. Ferner zeigte sich,
dass zwei verchieden grosse, gespannte, mit gläsernen Fühlhebeln versehene Membranen, wenn sie
durch zwei gleich lange Zuleilungsröhren erregt wurden, bei durchaus verschiedenen Tonhöhen
ad maximum schwangen. Diese Beweise werden duich weitei unten milzulheilende Versuche mit dei
Müller’schen Flasche unterstützt; auch hören die beiden eignen Ohren, wenn man ihnen, durch zwei
verschieden lange Schläuche vom T-Rohr aus, den Ton zuleitet, die Maxima (siehe unten) zu gleicher
Zeit. Wenn also stehende Wellen sich erzeugt hatten, so müssen diese jedenfalls so schwach gewesen
sein, dass sie keinen wahrnehmbaren Effect hei voi brachten.
Die Beobachtung der periodischen Maximalschwingungen, wie sie das durch Töne erregte lodle
Ohr darbietet, begründete die Voraussetzung, dass auch das lebendige Ohr, wenn demselben in gleicher
Weise concentrirle Tonwellen zugeführt würden, jenen Maximalschwingungen entsprechende Maximal
empfindungen zur Wahrnehmung bringen müsse, und in der Thal wurde unsere Voraussetzung durch
wiederholte Versuche bestätigt.
Die Zuleitung des Sirenentons geschah durch einen dicht schliessenden Kautschukschlauch in
doppelter Weise. Einmal wurde der Ton durch ein T-Rohr vom Windrohr der obern Sirene aus ab
geleitet, während bei einer andern Prüfung die untere Sirene von einem Helm von Pappe, in Gestalt
einer Retorte ohne Boden, durch deren Tubulus die Axe ging, überdeckt wurde, um von diesem Helm*)
aus die Töne direct in’s Ohr zu leiten. Mag man nun in der einen oder andern Weise dem eignen
Ohre den Ton zuführen, so zeigt sich, dass hei schnell bewegter Sirene, also bei rasch steigenden Tönen,
sehr deutliche Maxima empfunden werden; und zwar mehr in den untern Octaven vom T-Rohr
*) Der Helm ist so gearbeitet, dass er durch dieselben Schrauben, welche sonst die Resonanzkästen fairen,
gehalten wird.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.