Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1868 (Band XV.)

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den aufgekitteten Glassonden zu Stande kommen können. Dieselben zeigten sich abhängig von der 
Länge der Sonde Kürzt man die Sonde mittelst einer Scheere in kleinen Abschnitten nach und nach, 
so tritt bei gewissen Längen eine drehende Bewegung der vorher geradlinig mit Knoten schwingenden 
Sonde (Glasfaden) ein, welche den Uebergang zu einer kreisförmigen Schwingung bildet Betrachtet 
man dann die Spitze, so sieht man dieselbe einen regelmässigen Kreis beschreiben. Man glaubt in 
einen hohlen Kegel hineinzuschauen, dessen Spitze dem äussersten Knotenpunkt der Sonde entspricht 
und dessen seitliche Begrenzung die Bahn des Sondenendes darstellt In gleicher Weise stellen die 
Bäusche eine regelmässige Spindelform dar Ist man mit der Verkürzung so weit vorgeschritten, dass 
in der Sonde kein Knoten mehr gebildet werden kann, so gibt es einen Punkt, bis zu dessen Kürzung 
die Sonde ad maximum schwingt, während, wenn die Sonde ein Weniges länger oder kürzer ist, ihre 
Schwingungsexcursion eine bedeutende Abnahme zeigt. In gleicher Weise haben auch die Schwingungen 
der Sondenspitze bei zwei oder mehreten Knoten ein Maximum der Excursion, aber dieses Maximum ist 
einmal nicht so bedeutend und anderntheils ist es nicht so genau an einen bestimmten Punkt der Sonden 
länge gebunden. 
Niemals beobachteten wir, dass die Richtung der geradlinig schwingenden Stimmgabelsonde 
sich änderte. Dagegen ist die Drehung der Schwingungsaxe geradlinig schwingender starrer Fäden 
eine Erscheinung, welche einfache Membranen darbieten. Wenn eine Membran z. ß über die erweiterte 
Oeffnung eines Glasrohrs gespannt wird, wenn sie dann mit einer zarten Glassonde in der Art arrnirt 
wird, wie der Hammerstiel dem Trommelfell anliegt, und nun entsprechende Töne zugeleitel werden, so 
wird man eine abwechselnde, doppelte Schwingungsrichtu ng eonstatiren können. Am häufigsten 
wird man die Sonde in einer Ebene schwingen sehen, welche die ebene Fläche der Membran recht 
winklig schneidet; aber man wird auch nicht selten beobachten, dass der Glasfaden parallel der Ebene 
der Membran schwingt. 
Wenn nun auch diese Beobachtungen zeigen, dass kreisförmige Knotenschwingungen an graden 
elastischen Fäden zu Stande kommen können, wenn sie eitler gradlinig schwingenden Stimmgabel auf- 
sitzen; und wenn ferner die Axenänderung der geradlinigen Schwingung eine Eigenlhümliehkeit der 
schwingenden Membranen darslellt, welche in unserem Falle durch das Trommelfell repräsentirt wird, 
so ist es doch immer noch die elliptische Schwingung, welche einer Erklärung bedarf; und zwar sind 
wir geneigt anzunehmen, dass die elliptische Schwingungsform dann eintritt, wenn eine kreisförmige 
Schwingungsform gleichzeitig durch eine Axendrehung beeinflusst wird, so dass sie als die Wirkung 
zweier gleichzeitig wirksamer Ursachen resultirt 
Die perpendikulär auf die Steigbügelplatte aufgesetzte zarteste Glassonde schwang an zwei ver 
schiedenen Präparaten, wie wir es wiederholt beobachteten, bei einem Ton von 45,«, resp. 52,9 im 
Maximum, während das Maxjmum des Hammers und des Ambos bereits vorüber war. Die Schwingungs- 
cichUmg war eine sagittale; wenn die Sonde parallel tier Platte stand, war die Schwingungsebene der 
•‘lalle durchaus parallel; die Sonde schwang also in der Weise, wie sie schwingen würde, falls der 
Musculus stapedius in rasche letanische Stösse geriethe. Im Beginne und am Ende dieser Maximal 
schwingung schwingt der Glasfaden rechtwinklig zur Fussplalle, also in der Weise, als wenn die Sleig- 
htigelplalle sich um ihre lange Axe drehte. Beim Steigbügel tritt es auffallend hervor, dass er ein 
selbstständiges Sch wing'ungsmaxi in um hat. Etwas Aehnliches findet sich auch für den Ambos, 
jedoch folgt dessen Schwingungsmaximum fast unmittelbar auf dasjenige des Hammers und konnte daher 
nicht genügend durch Zahlen von denjenigen des Hammers gesondert werden.
	        

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