schwingt, erscheint ihre Spitze von fächerförmiger Gestalt, seitlich scharf begrenzt, in der Mitte wie
verschleiert, ohne Ungleichmässigkeiten, und ein ähnliches Bild bieten die Bäusche dar. Wenn sie unrein
schwingt, machen sich niitten im Fächer eine, zwei, drei oder auch mehr weisse Linien bemerkbar, deren
Lage bald näher der Mitte, bald näher den Seitenlinien ist, und welche alsdann bei Steigerung des Tones immer
mehr an den Rand rücken und schliesslich mit diesem zusammenfallen Die unreine Knotenschwingung wird
dadurch characterisirt, dass die Bäusche weniger scharf von einander getrennt sind, dass der zwischen ihnen
liegende Knotenpunct, aufhört ein ruhender Punkt m der Sonde zu sein, indem eine grössere, den Knotenpunkt
imitirende Strecke zwischen den Bäuschen in einergewissen drehenden, leicht wechselnd en Bewegung verharrt.
Diese verschiedenen Schwingungsformen zeigen sich in ähnlicher Weise, wenn man einen durch
eine Membran verschlossenen Glasslrichter, welcher auf der Membran eine Glassonde trägt, in tönende Orgel
pfeifen steckt. Geht man dann die Octave durch, so zeigt sich bei einigen Pfeifen die unreine, bei an
deren, oder mindestens einer Pfeife die reine Schwingung der Sonde, wenn nur einigermassen der Eigen
fon der Membran in der Höhe der {geprüften Pfeifen liegt. Die Unreinheit der Schwingungen muss
wohl darauf beruhen, dass die Schwingungsphasen der Membran nicht mit denen des Tons in einfachem
Verhältnisse stehen, und folglich die Sonden nicht pendelartig schwingen, sondern auf ihrer Bahn hin
und wieder aufgehalten werden und in Folge dessen in dieser Lage einen stärkeren Eindruck auf das
Auge hervorbriugen, wie in den andern Theilen ihrer Bahn.
Ausserdem ist es bemerkenswert!), dass die Schwingungsform und die Schwingung’»'
richtung der Fäden wechselt. In der Regel schwingen sie in einer Ebene, so'dass die Schwingungs
form der Sondenspitze eine lineare zu nennen ist; jedoch haben wir auch sehr häufig eine elliptische,
selten eine kreisrunde Schwingungsform beobachtet. Dies (rat ein, sowohl beim Hammer als auch beim
Ambos, namentlich aber bei letzterem; jedoch kommt dabei entschieden die Art, in welcher die Sonde
tixirt worden ist, mit in Betracht. Beim Hammer würde sie auf dem Kopfe zu befestigen sein, beim
Ambos an der Uebergaugsstelle des Körpers in den langen Fortsatz desselben, in der Richtung der
Längsaxe des Letzteren. Rücksichtlich der Richtung sind im Allgemeinen diejenigen Schwingungen,
deren Ebene in der Richtung der Gehörgangsaxe liegt, überwiegend. Die Drehung erfolgt in der Regel
beim Ueberschreiten des Schwingungs-Maximums. Vielfache Prüfungen lehrten uns, dass durch die Länge und
Form der Sonden, welche wir mannigfaltig variiri haben, in dieser Beziehung nichts verändert wird.
Wir glaubten anfangs, dass den Erscheinungen, welche uns die wechselnde Form und Richtung
der Sondenschvvingungen darbieten, etwas Aehnliches zu Grunde liegen möge, wie dasjenige Moment,
welches in dem von Wheatstone beschriebenen Kaleidophon*) zur Geltung kommt, wm durch einen
ungleichen Druck an der Basis die Stäbe gezwungen werden, in Curven zu schwingen, und die Axen
ihrer Maximalexcursion beim Verklingen - bekanntlich also einer Steigerung der Tönhöhe — ändern,
weil auch hier beim Gehörknöchelchen-Apparat ein verschiedener Druck von zwei Seiten, einestheils durch
den Stapes, auderntheils durch das gespannte Trommelfell wirkt.
Wir haben uns jedoch durch Versuche an einer, durch einen Electromagneten in Schwingung
versetzten Stimmgabel überzeugt, indem wir einen Glasfaden an einem ihrer Schenkel, in dessen Längs
richtung so befestigten, dass dieser Faden den Schenkel etwa um 15 bis 20 Cm. verlängerte, und nun
die Schwingungsänderungen desselben bei verschiedener Länge desselben beobachteten, dass auch hier,
also bei einem Instrumente, welches sicher in Einer Ebene schwingt, kreisförmige Schwingungen au
’) Poggendorfs Annalen der Physik und Chemie. Bd. X. pag. 470.

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