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Nach J. Ranke*) scheint das knackende Geräusch vielfach als Muskelgeräusch gedeutet zu
sein**). Indem er diese Ansicht verwirft, lässt er das Geräusch gleichfalls durch die plötzliche Spannung
des Trommelfells bei der Contraction des Tensor tympani entstehen.
H. v. Luschka, welcher ebenfalls im Stande ist, jenes „knitternde“ Geräusch willkürlich zu
erzeugen, erklärte dasselbe auch für das Ergehniss der willkürlichen Bewegung des Trommelfells, bis
er den wahren Sachverhalt entdeckte.
Anatomische Untersuchungen haben Luschka dazu geführt, das Geräusch jetzt davon abzuleiten,
dass durch die Gaumenmuskulatur, zunächst und hauptsächlich durch den Muskulus tensor veli, die mem-
branöse Wand der Tuba von der knorpeligen rasch abgezogen wird.***) Er unterstützt diese Ansicht
dadurch, dass mit der jedesmaligen Erregung des Geräusches stets eine Bewegung des Gaumensegels
Verbunden ist, sowie dadurch, dass von Tröllsch durch die direcle Inspection nicht die geringste Be
wegung des Trommelfells hei ihm wahrnehmen konnte.
Gleichzeitig und unabhängig von Luschka hat Adam Politzer-}-) zuerst den experimentellen
beweis geliefert, dass die knorpelige Tuba Euslachii der Enlstehungsort dieses Geräusches sei, dadurch
hervorgerufen, dass durch die Contraction des Muse, tensor veli, oder wie Tröllsch ihn bezeichnet,
des Abductor tubae, die sich gegenüber dicht anliegenden Schleimhautllächcn der Ohrtrompete plötzlich
y on einander entfernt werden. Eine damit verbundene Trommelfellbewegung konnte auch Politzer
nicht nachweisen. In einem Falle, wo das knackende Geräusch unwillkürlich und rätselhafter Weise
isochronisch mit dem Pulse und mit Bewegungen des Kehlkopfs und der Gaumenklappe auftrat, konnte
ßoeckff) die Angaben Luschka’s und Politzer’s durch dieRhinoscopie am Lebenden bestätigen. Er
sa ii, wie die vordere Lippe der Ohrtrompete von der hintern abgezogen wurde, und wieder an dieselbe
'Uckte.
Die Zahl derjenigen Menschen, welche befähigt sind, durch willkürliche Contraction des M. ab
ductor tubae ihre Tuba Euslachii zu öffnen, ist ohne Zweifel grösser, als man bisher annahm. Ausser
mir sind meines Wissens in Ki e 1 noch Herr Professor Esmarch und die Commilitonen Baumeister
Ochsen, Heussner und Petersen im Stande, jenes Knacken willkürlich zu erzeugen und durch ein
Oto.skop für Andre hörbar zu machen. Auch Herr Professor Hensen gewinnt mehr und mehr die
Fähigkeit, dasselbe seinem Willen zu unterwerfen.
Wir Beide hallen es gelernt, indem wir die Erfahrung benutzten, dass es im Vorstudium des
Gähnens auftritt, und um es zunächst hervorzurufen, muss man sich bemühen, den Gähnact künstlich
einzuleiten. Wenn das Geräusch bei mir während des Kattens unwillkürlich auftritt, so geschieht es in
demjenigen Momente, wenn ich die Kiefer ein Weniges von einander entfernt habe. Beim weitesten
Anfsperren des Mundes bin ich nur seilen im Stande, das Geräusch mehr als einmal zu erzeugen, wäh
lend ich den Ton des sich willkürlich contrahirenden Muskels deutlich höre; wie es scheint, wird in
die Kieferserlage die Tuba dauernd offen erhalten. Eine starke Beugung des Kopfes nach hinten be-
“) Johannes Kante. Grundzüge der Physiologie des Menschen. Leipzig 180S- pag. 713.
**) | t .|, lia bc eine derartige Deutung in der mir zugänglichen Literatur nicht finden können.
***) Luschka. Die Anatomie des menschlichen Halses. Tübingen 1862. pag. 212.
f) Schwänze. Die wissenschaftliche Entwicklung der Ohrenheilkunde. Archiv für Ohrenheilkunde Bd. I. Hefil.
Politzer’s Oiiginalarbeit (W'iener Medicinalhalle 1862. Nr. 18.) war durch den Buchhandel nicht mehr auf-
suireiben.
ff) Archiv für Ohrenheilkunde Bd. II. Heft .1.

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