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Schwingungen bestimmt worden. Bald darauf hat HelmlioHz*), in Uebereinslimimmg mil Wollaston
für den Grundton seiner Kaumuskeln 35 bis 36 Schwingungen angenommen. Nach neueren Unter
suchungen von Helmholtz**), welche ergaben, dass sich die Muskeln nur 18 bis 20 Mal in der Se
kunde zusaminenziehen, ist der gehörte Muskellon als der erste Oberton desjenigen Grundtons zu be
trachten, dessen Schwingungszahl durch die Zahl der Conlractionen bedingt ist, der aber, seiner gerin
gen Schwingungszahl halber, nicht mehr als Ton empfunden werden kann.
Darauf folgende Untersuchungen, welche den Zweck halten, eiuen Eigenion des schalleitenden
Apparates zu bestimmen, führten Helmholtz dazu, den Muskellon für den durch die Muskelconlraction
erregten Resonanzton des eignen Ohres zu erklären***). Wir haben gefunden, dass der conlrahirte,
Daumenballen, wenn wir ihn seine Schwingungen aufschreiben liessen, 12 bis 13 Wellen in derSecunde
zeichnetet). Eine Bestimmung der Tonhöhe des Muskeltous gelang uns nicht. Wir müssen jedoch offen
gestehen, dass uns derselbe näher dem Tone zu liegen schien, welchen eine Stimmgabel von 100 Schwin
gungen erzeugte; höchstens schien er etwas tiefer zu sein, aber nicht so lief, wie Helmholtz ihn be_
stimmte, der ihm 36 Schwingungen zuerkennl. Jedoch hat Helmholtz in dieser Frage unbedingt ein
Gel competenleres Unheil, als wir.
Das Ergebmss meiner Experimente Uber das Hören im Wasser, bei mit Wasser gefüllten Ge
hörgängen, (siehe oben) stimmt mit der Hypothese von Helmholtz, dass der für den Muskellon
gehaltene Ton, resp. dessen Gruudlon ein durch unregelmässige Erschütterungen der Muskeln hervor
gebrachter Eigen ton oder Resonanz ton des Trommelfells, oder des ganzen schall
leitenden Apparates sei, auf dessen Höhe die Spannung des Trommelfells einen Einfluss babeff),
11 icht überein. Wenigstens fällt vom „ganzen schallleitenden Apparat“ der Gehörgang aus, und das
'l t’onimelfell ist wesentlich in seinem Schwingungen modificirl, so dass die Paukenhöhle mit den Gehör
knöchelchen und der in ihr und ihren Nebenhöhlen enthaltenen Luft allein unverändert bleibt, deren
Eigentou, durch die Muskelcontractionen erregt, dem fraglichen Muskelgeräusche entsprechen würde.
Dass es das Trommelfell nicht sein kann, welches durch den adäquaten Reiz der Muskelvibrationen
erregt, seinen Eigen- oder Resonnanzlon dem Hörnerven zuführt, dafür spricht die wesentliche Modifi-*
cation seines normalen Verhaltens durch die einseitige Wasserbelaslung. Dass durch seine stärkere
Spannung — die auf dem Trommelfell lastende Wassersäule war ungefähr Va Meter hoch — der Mus
kelton erhöht wird, ist möglich, und ich muss gestehen, dass es mir sogar so schien. Gleichzeitig muss
ic h jedoch offen bekennen, dass mein Gehör weder die Fähigkeit noch Ucbung besitzt, in rein musikali
schen Fragen meinem Uriheil die erforderliche Kritik für die genaue Unterscheidung zu bieten.
*) Monatsberichte der kgl. preuss. Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Mai 1864.
**) Heule, Kcferstein und Meissner. Bericht über die Fortschritte der Anatomie und Physiologie. 18G7.
***) Meissners Bericht. 1867. pag. 486. u. 611.
f) Eine Glasröhre ward an ihren beiden erweiterten OelTnungcn mit zwei Membranen versehen und unbe
weglich vor einem geschwärzten drehbaren Cylinder befestigt. Auf die eine Membran ward eine schreibende Feder ge
fleht, an die andere der contrahirte Daumenballen gelegt, und nun nach den Schwingungen einer gleichfalls schreiben
den Stimmgabel die Geschwindigkeit und die Zahl der durch die Contraction bewirkten Wellen gezählt.
f+) Meissner’s Bericht pag. 486.

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