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lieber einige entotisehe Geräusche.
Das bereits im vorigen Abschnitte erwähnte Geräusch, welches dutch die, von der Hand gehaltenen,
Sonde dem Ohre zugeführt wird, führte uns auf das schwierige Gebiet der sogenannten subjectiven
Geräusche, über welche viele Versuche angestellt wurden.
Ausgehend von pathologischen Erfahrungen erzeugte Harless*) ein dumpfes Sausen im Ohre,
wenn er den Finger in den Gehörgang einführte. Er nahm dann zweierlei wahr: „ein Geräusch, ganz
ähnlich dem Sausen, welches uns aus einer vor das Ohr gehaltenen Muschel zu kommen scheint, und
unter günstigen Bedingungen einen Klang, welcher zuerst mit grösseren Intervallen wie das Picken einer
Vasehenuhr auftritl, bei tieferem Einfuhren des Fingers aber continuirlich wird.“
JNachdem Harless den Werth der allgemein angenommenen Deutung, dass das Sausen durch
Luftströmungen bedingt sei, besprochen, sucht er die weiteren Ursachen dieser Geräusche in den Stimm
bändern und in den Strömungen des Blutes, weil das Geräusch noch fortdauert, wenn der Gehörgang
so fest verstopft wird, dass eine Luftströmung nicht mehr stattfinden kann und weil das durch den
Consonanten Ch charakterisirle Geräusch mit den Respirationsbewegungen zusammenfällt, während das
in den Pausen fortdauernde Geräusch den Consonanten l. hat. Harless warnt davor, den Verschluss
niit dem Finger zu bewerkstelligen, weil dadurch ein klingender Ton erzeugt werde, welcher als der
ijGrundton des Trommelfells“ zu betrachten sei.
Durch die mir erworbene Fähigkeit, meinen Musculus tensor veli palali willkürlich isolirl zu
öontrahiren und längere Zeit in telanischer Contraction zu erhalten, habe ich eine genaue Kenntniss des
durch jene Contraction erzeugten Muskeltones, den ich bei offenen Gehörgängen fast besser höre, als
bei geschlossenen, erlangt. Ausserdem ist ja ein Jeder im Stande, bei verschlossenen Gehörgängen den
Ton seiner contrahirten Kau-, Gesichts- und Halsmuskeln zu hören.**) Mil der Kenntniss dieses Tones
ist es nicht schwer die Aehnlichkeit des Grundtons jenes continuirlichen Geräusches zu constatiren, welches
der in den Ohrgang eingeführte Finger erzeugt, und es liegt nahe die Finger- und Armmuskeln als
Schallquelle dafür in Anspruch zu nehmen. Schliesst man den Gehörgang durch ein anderes Medium,
(ich bediene mich am besten einer konisch zuges hmolzenen Glasröhre, über welche ein mit der Scheere
sugeschärfter Kautschukschlauch geschoben wird) so ist es wesentlich von der Ruhe oder Thäligkeit der
Hals- und Kopfmuskeln abhängig, ob das Geräusch verschwindet, schwach oder stark hörbar wird.
Vermuthlich ist es dieses Geräusch, welches für Harless durch den Consonanten F characlerisirt war.
Ich habe diese EigenthUmlichkeit des Geräusches nicht conslaliicu können, wohl aber seine Fortdauer
Während der Respirationspausen. Das von mir nie vermisste, mit der Respiration synchronische Geräusch,
Welches als cbaracterislischen Consonanten Ch hat, ist unzweifelhaft durch die Reibung erzeugt, welche
die Luft im Nasenraum erfährt. Man hört dasselbe bei offenen Ohrgängen nur dann, wenn der Nasen
raum durch Schwellung der Schleimhaut beengt ist, oder wenn man die Respirationsbewegungen forcirt.
Hm beim ruhigen Athmen gehört zu werden, bedarf es der Resonanz im geschlossenen Gehörgange.
Hass dieses Geräusch nicht an den Stimmbändern, wie Harless annimmt, erzeugt wird, geht einfach
daraus hervor, dass es verschieden ist, ob ich durch die Nase oder durch den Mund respirire.
«) Handwörterbuch der Physiologie, ltd. IV. pag 413.
**) Vgl. Helmholz. Mittheilung in den Monatsberichten der Akademie der Wissenschaften zu Berlin ls64, Mai.

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