18
«Im ch eine mit dem Gähnact zu.sammenfallende unwillkürliche Conlraetion des Tensor lympani. Ich will
hier nicht auf diesen letzten Punkt eingehen, aber ich beziehe die Schwerhörigkeit beim Gähnact allein
darauf, dass das Muskelgeräusch bei demselben so sehr Alles überlönt, dass die entferntere Schallquelle
der Sprache des Nebensitzeuden undeutlicher gehört wird. Allerdings gehört zur richtigen Würdigung
des so oft unwillkürlich gehörten Muskelgeräusches strenge Aufmerksamkeit und gewohnte Uebung.
Auch die Deutung des Ohrensingens, als eine Wirkung der Zunahme des positiven Druckes im Labyrinthe,
welche Lucae*) gegeben hat, wird durch diesen Versuch nicht bestätigt; es gelang meiner strengsten
Aufmerksamkeit nicht, dieses „hohe, leise Klingen“ während des Druckes wahrzunehmen. Auch nach
diesem Versuch blieb jede subjective Gehörsempfindung aus.
Als ich zum erstell Male unvorsichtiger Weise mit kaltem Wasser experimentirle, entstand
gleich nach dem oben beschriebenen Versuche ein eutolisches Geräusch, welches ungefähr zwei Minuten
anhielt. Dasselbe war einem Glockenton von mittlerer Tiefe vergleichbar, und habe ich die Ursache des
selben in einer letanischen Contraction des Musculus tensor lympani zu finden gesucht. Wenn meine
Voraussetzung richtig ist, so erregte in diesem einzigen Falle die Muskelconlraction einen wirklich
reinen Ton, dem alle Beimischung von Geräuschen fehlte. Dieser Ton lag offenbar viel höher, als
der dem sonst gehörten Muskelgeräusch eigenthümliche Grundton. Ich habe diesen nur einmal erlebten
Tetanus als eine Reflexwirkuug der abnorm gereizten sensiblen Nerven des Geliörgangs, resp. des Trommel
fells aufgefasst. Um nach dieser Abschweifung wieder auf mein Experiment zurückzukommen, habe
ich noch zu erwähnen, dass der negative Druck auf das Trommelfell wesentlich anders wirkt, als der
positive. Während, wie schon gesagt, beim Erheben des Niveaus im Irrigator über eine durch das
Trommelfell gelegte horizontale Ebene erst bei 72 CM. ein leichtes Druckgefühl entstand, und erst eine
Steigerung des Druckes von 126 CM. ein geringes Schmerzgefühl* im linken Ohre bewirkte, war die
Senkung des Niveaus unter diese Ebene schon von Anfang an unangenehm, und es steigerte sich dieses
Gefühl schon bei 32 CM. Senkung zum Unerträglichen in beiden Ohren.
Um noch zu prüfen, in wie weil das Trommelfell durch die einseitige Wasserbelastung in
seiner Leitungsfähigkeit beeinträchtigt sei, liess ich im Irrigator Geräusche erzeugen, welche durch die
Wassersäule im Schlauche fortgepflanzl, das Trommelfell treffen mussten. Dazu wurde eine weile Glas
röhre benutzt, in welcher eine Bleikugel au einem Faden hing. Wurde diese schlecht nachgeahmte Glocke,
mit Wasser gefüllt, im Irrigator hin- und herbewegl, so hörte ich den klappenden Ton durch die unge
fähr 1 V a Meter lange Wassersäule sehr deutlich. Gleichfalls deutlich hörte ich das Geräusch, welches
dadurch erzeugt wurde, wenn der Inhalt einer Spritze in das Wasser des N Irrigators gespritzt wurde
aber ich hörte den einzelnen auf die Oberfläche fallenden Wasserlropfen nicht mehr.
Dieses letzte Experiment kann nur untergeordneten Werth haben, da es nach früheren Versuchen
bekannt ist, dass feste Körper, welche eine Flüssigkeilssäule einschliessen, die Schallwellen der letzteren
sehr gut zu resoniren vermögen.**) Allerdings hörte ich das Anschlägen der Bleikugel an die Glasröhre
nicht als einen an den Wänden des Irrigators erregten Ton, und wenn ich somit auch ein Mitlönen der
durch die haltende Hand gedämpften Irrigatorwände ausschliessen kann, so bleibt doch immer noch die
Uebertragung durch den Kautschukschlauch an die Wände des Gehörganges als ein das Experiment
trübendes Moment übrig.
*) Lucae. Archiv für Ohrenheilkunde. Bd. IV. Heft I. pag. 39.
**> Harless. Artikel „Hören“ im Handwörterbuch der Physiologie. Bd. IV. pag. 339.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.