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Mir das für die übrigen Muskeln gelungen wäre, so würde doch immer noch die Thäligkeil der Lippen
muskulatur, zur Haltung des Respiralionsschlauches, und die Muskulatur der, die Nase schliessenden
Hand übriggeblieben sein, um eine ausreichende Quelle der Tonerzeugung zu bilden.
Als ich vor 3Va Jahren dieses Experiment zum ersten Male anstellte, habe ich wohl denselben
Ton gehört; ich kannte jedoch damals das Muskelgeräusch kaum dem Namen nach, so dass ich einen
Hauptwerth dieses Experimentes erst bei den letzten Wiederholungen erkennen konnte. Ich werde weiter
unten noch einmal auf den Werth dieser Beobachtung zurückkommen. Erwähnen will ich noch, dass
ich während meines letzten Experimentes die Töne meines etwas aufgeregt pulsirenden Herzens sehr
deutlich hörte, und zwar hörte ich die Systole gleichsam als eine periodische Anschwellung des Muskel
tons, während der diastolische Ton davon abwich; letzterer lag offenbar höher, jedoch bei weitem nicht so
hoch und erschien nicht mit jenem Timbre, wie man ihn stelhoscopisch bei Anderen zu hören
gewohnt ist.
Was nun die Hörfähigkeit für verschiedene Schallquellen anbetrifft, so wurden die Proben der
vorigen Versuchsreihe wiederholt und es ergab sich im Wesentlichen das gleiche Resultat, nur dass
qualitativ das Hören verändert war.
Die unter Wasser nicht mehr gehörte, in der Luft tönende Stimmgabel konnte ich noch bis zu
einer Entfernung von 17 Centimeter hören, wenn ich Nase und Mund aus dem Wasser hervorhielt. Der
durch feste Körper und durch den eigenen Körper dem Ohr zugeleilete Ton der abklingenden Stimm
gabel wurde ebenso stark gehört, als wenn Luft in den Ohrgängen enthalten war. Auch hier war die
abgeschwächle Leitung durch die obere Extremität, im Verhällniss zur unteren, sehr auffallend.
Das Ticken der Taschenuhr in # der Luft hörte ich beim Untertauchen gar nicht, auch dann
nicht, wenn sie der Nasenöffnung auf’s Aeusserste genähert ward Sobald aber die Uhr unter Wasser
gehalten ward, hörte ich sie bis zu einer Entfernung von 14 CM.
Nahm ich die Uhr zwischen die Zähne, so hörte ich das Ticken sehr deutlich; ebenso von allen
Theilen der Schädeldecke aus; die äusserste Grenze des Hörbaren bei directer Anlagerung war der
siebente Halswirbeldornfortsatz. Vom Nasenbein aus wurde sie noch schwach, vom Nasenknorpel aus
nicht mehr gehört.
Wenn flüsternd zu mir gesprochen wurde, so hörte ich wohl einzelne die Sprache componirende
Geräusche, aber ich war nicht im Stande die Flüstersprache zu verstehen, weder dann, wenn ich
völlig untersuchte, noch dann, wenn der Sprechende dicht vor meinem emporgehaltenen, geöffneten
Munde sprach.
Um nun noch den Einfluss des gesteigerten Druckes zu bestimmen, wurden zwei mit einem
Esmarch'schen Irrigator in Verbindung stehende Gummischläuche, während das Wasser aus ihnen
ausfloss, unterhalb Wasser in die mit Wasser gefüllten Gehörgänge dicht eingeführl und dann der Irri
gator erhoben. Als die auf den Trommelfellen tastende Wassersäule 72 CM. betrug, trat ein leichtes
Hruckgefülil ein, welches sich auf dem linken Ohre zu einem geringen Schmerzgefühl zu steigern aiding
als die Säule 126 CM. mass. Begreiflicherweise wurde unter diesem Druck nicht lange experimenlirt,
aber es konnte doch constatirl werden, dass ich für die Sprache durchaus nicht schwerhöriger war, als
bei geringerem Druck, was ich desshalb hervorhebe, weil Politzer*) geneigt ist, die vorübergehende
Schwerhörigkeit während des Gähnens für eine Folge erhöhten Labyrinthdruckes zu hallen, hervorgerufen
*) Politzer. Archiv für Ohrenheilkunde. Bd. IV. Heft 1. pag. ‘l\.

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