dürften, weil hierüber sehr wenig bekannt ist, resp. irrige Anschauungen cursiren. Die Versuche, das
Hören durch Belastung des Trommelfells mit Wasser zu modificiren, führten weiter zu einer Wieder
holung und Nachprüfung der Eduard Weber’schen*) Versuche, und Hessen uns neue Befunde zum
Hören in einem flüssigen Medium im Allgemeinen und zur Lehre von den Muskelgeräuschen im Spe-
ciellen machen. Ferner studirten wir nach dem Vorgänge W. Henke’s**) den Mechanismus der Gehör
knöchelchen, was uns zu dem Haupttlieil unserer Arbeit führte. Wir begnügten uns nicht, diesen Be
wegungsvorgang durch mechanischen Druck zu prüfen, sondern wir führten dem schallleitenden Apparat
die ihm adäquaten Schallwellen, und zwar in concentrirter Form zu, um hierdurch weitere Einblicke in
den physiologischen Vorgang dieses Schallleitungsmechanismus zu gewinnen. Gleichzeitig wurde, so viel
als thunlich, die Membrana tympani secundaria auf ihre Leistung und Function geprüft. Da jedoch
manche an diese Experimente sich knüpfende Frage nicht allein durch Versuche mit dem menschlichen
Ohrpräparate ihre Beantwortung finden konnte, so recurrirleu wir auf den von Johannes Müller angege
benen Apparat,***; in welchem er den „doppelten“ Leitungsapparat der Trommelhöhle künstlich darzu
stellen suchte, indem wir diesen Apparat für die uns vorliegenden Fragen erweiterten und ihn ganz be
sonders dazu verwendeten, in die dunkle Frage über die Schallleitung im Labyrinlhwasser ein wenig
einzudringen.
-Ji
Ueber die Resistenz des Trommelfells.
Die Resistenzkraft des Trommelfells ist beim Menschen entschieden viel bedeutender als bei den
meisten Thieren. Meine in dieser Richtung angqstelllen Prüfungen beziehen sich auf die Trommelfell®
vom Hunde, Schaaf, Hirsch, Reh. Meerschweinchen, Kaninchen und von der Katze.
Man kann das menschliche Trommelfell ziemlich kräftig drücken, ohne es zu lädiren, wenn
nur das drückende Instrument eine abgerundete Form besitzt.
Um die Resistenz genauer zu prüfen, wurden zwei menschliche Ohrpräparate in der Weise g e '
opfert, dass die Trommelfelle durch eine in den Gehörgang fest eingebundene Glasröhre, mit einer
Quecksilbersäule belastet wurde, deren Höhe gesteigert ward, bis ein Riss im Trommelfelle entstand,
welcher dem Quecksilber das Ablaufen aus der vorher geöffneten Paukenhöhle gestaltete.
Ein wenige Wochen in Spiritus aufbewahrtes Ohrpräparat vom Menschen, an welchem der
Steigbügel und Ambos entfernt war, bedurfte zur Sprengung seines Trommelfells einer Quecksilbersäule
von 143 (Zentimetern Höhe. Der Einriss verlief geradlinig, parallel dem Hammergriff, in den untern drei
Vierteln seiner vordem Befestigungslinie.
*) Bericht? über die Verhandlungen der.kg), s&dis. Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig, Mathematik 1 '“’
.physische Classe. Jahrgang 1851. pag 30.
W. Henke. Der Mechanismus der Gehörknöchelchen. Zeitschrift für rationelle iVlediciu. 1868.
”*) Handbuch der Physiologie des Menschen von Johannes Müller. lid. II. pag. 443.

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