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aber denkbar, dass zuweilen ähnliche Verhältnisse obwalten, wie die, welche beim
Glaukom die feinen Retinagefässe in deutliche Pulsation zu setzen vermögen. Wenigstens
kann eine Steigerung des Druckes in der Geschwulst sehr leicht durch Apoplexien
in derselben, oder durch eine stärkere Wucherung ihrer Zellen hervorgebracht werden.
So viel ist gewiss, dass die Pulsation im Zusammenhang steht mit der knöchernen
Lade der Geschwulst, da ähnliche Tumoren in den Weichtheilen nie pulsiren (der
einzige mitgetheilte Fall eines Sarcoma pulsans Mammae rührt von Volkmann her
— 1. c. p. 446 — hat aber keine besondere Bedeutung, weil, wie Volkmann selbst an-
giebt, die Geschwulst die Rippen als feste Unterlage hatte). Das eigenthümliche blasende
Geräusch, welches bei sehr vielen pulsirenden Knochengeschwülsten wahrgenommen
werden kann (wurde ja auch bei dem unsrigen vernommen) kommt nicht nur in Fällen
vor, wo man es von dem Einströmen des Blutes in erweiterte Gefässräume herleiten
kann, sondern auch in Fällen, wo der Tumor, wie in unserm Beispiele, keine solche
enthält und muss dann von der theilweisen Compression einer benachbarten grossem
Arterie durch die Geschwulst (Art. tibialis post?) hergeleitet werden (Stanley).
In allen myelogenen Osteosarkomen können sich Cysten entwickeln (Sarcoma
cystic. Virchow’s; wohl zu trennen von dem durch Erweiterung präexistirender Drüsen
räume gebildeten Cystosarcoma); auffallender Weise neigen aber grade die Sarkome
an den untern Extremitäten ganz besonders zu Cystenbildung. So enthielten von 32
von Senftleben zusammengestellten Fällen centraler Osteosarkome, von denen sich 16
an den untern Extremitäten entwickelt hatten, 7 der letztem Cysten, während von
allen übrigen nur 2 welche besassen.
Diese auffallende Erscheinung mag mit dem stärkern Blutdrucke, welchen die
Capillaren d“r untern Extremitäten, namentlich bei aufrechter Haltung auszuhalten
haben, abhängen.
Die Cysten entstehn nämlich wohl am gewöhnlichsten durch Apoplexien, können
aber auch durch fettige und colloide Enta tung einzelner Stellen mit nachfolgender
Resorption, oder durch blosses Auseinanderdrängen der Gewebe durch Serumaustritt
(C. O. W eber) zu Stande kommen. Aus diesen Entstehungsweisen erklärt sich leicht
der bald blutige, bald colloide, bald seröse Inhalt, welchen wir auch bei den Cysten
unseres Schenkelsarkoms fanden, ferner die Pigmentbildungen, die Blutkrystalle, die
Fettkörnchen. Die Form unsrer Cysten des Sarcoma Femoris erinnert auffallend an
das Bild, welches Senftleben (Archiv f. klin. Cirurg. 137) über ihre Entstehungsweise
entwirft: meist entstehn zuerst mehrere kleinere Höhlen, die noch durch solides Zwischen-
gewebe getrennt sind. Dies letztere schmilzt allmählig ein, wird zuletzt auf strang
artige Balken reducirt, und es bildet sich ein System grösserer communicirender Cysten,
die nur von einem Maschenwerk röthlicher Stränge der Grundsubstanz durchzogen
werden. — Der Befund so ausgeprägter Membrane, wie sie sich auf den Wänden der
Cysten unseres Femursarkoms fanden, ist ein wegen seiner Seltenheit sehr bemerkens-

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