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So gar kurz vor der Operation mit seinem kranken Beine noch getanzt — und dass
si e oft erst durch Spontanfracturen oder ein Schwächegefühl in der Gegend der Neu
bildung zur Ruhe genöthigt wurden. Auch bei unserm Tibiasarkom waren die Be
legungen im Kniegelenk frei und schmerzlos, und, obgleich der ganze Gelenkknorpel
der Tibia von der Geschwulst unterminirt war, war doch keine andere Veränderung
,rr * Gelenk zu entdecken als eine geringe Vermehrung der Synovia. Dass übrigens
i* 1 manchen Fällen auch der Gelenkknorpel den Angriffen der Neubildung erliegt, geht
aus einem in der Berliner chirurg. Klinik operirten Falle eines Sarkoms am Humerus-
Kopfe hervor, welcher von Senftieben (Arch, für klin. Chir. 61. S. 142) mitgetheilt wird:
d^r Gelenkknorpel war verdünnt und in der Metamorphose zu Geschwulstmasse be
griffen, die Intercellularsubstanz körnig getrübt, und die Knorpelzellen producirten
Wuchernde Markzellen.
Die Haut pflegt mit der Geschwulst gar nicht, oder erst spät zu verwachsen,
AVj *s ja auch bei keinem unsrer 3 Geschwülste der Fall war, nicht einmal an Stellen,
die Neubildung, wie am Tibiakopfe, unmittelbar unter der Haut liegt Dies mag
rinmal in der Abkapselung durch das Periost, und dann in der geringen Neigung zu
entzündlichen Processen in der Umgebung überhaupt, welche diesen Geschwülsten
rigenthümlich ist, seinen Grund haben.
Eine weitere Besonderheit der myelogenen Osteosarkome besteht in der schein
baren schaligen Auftreibung des Knochens, welche sie verursachen. Während näm-
bch die heranwachsende Geschwulst sich aut Kosten des umgebenden Knochen
gewebes ausbreitet, das lacunär einschmilzt, ganz ähnlich wie hei der Ostitis, geräth
das Periost in entzündliche Wucherung und produeirt massenhaft neue Knochensub-
8ta »z, um so mehr, je rascher die Neubildung gegen dasselbe vordringt. Manchmal
gewinnt die Resorption, manchmal die Neubildung des Knochens die Oberhand; dem
nach hier Produktion einer normal gefügten, dicken Knochenschale, dort Verdünnung
ber knöchernen Hülle bis zu papierdünnen Blättern mit Pergamentknittern und sogar
(Kusch) Fluktuationsgefühl. Nicht selten durchbricht sogar die Geschwulst ganz ihre
Knochendecke, über die sie dann hügelig hervorquillt, nur noch von einer Periost-
Kapsel umgeben. So Anden wir bei unserm Tibiasarkom stellenweise Pergament-
Knittern und stellenweise völligen Schwund des Knochenmantels, an dem Oberschenkel-
Sarkom nur noch' die Ruinen des alten Knochens in die weiche, überwuchernde Ge-
sehwulstrnas.se vorragend und bloss Spuren von Schalenbildung, an dem Sarkom des
Oberkiefers endlich eine resistente, knöcherne Schale die Neubildung bedeckend.
Hinsichtlich der hauptsächlichsten mikroskopischen Elemente zeigen unsere 3
Sarkome eine grosse Uebereinstiramung. In allen Anden sich die langgeschwänzten
^pindelzellen und die kernreichen Myeloplaxen, irn Tibia- und Oberschenkelsarkom
auch freie Kerne und in Letzterm noch rundliche und unregelmässig gestaltete Zellen.
Oie Grundformen aller Sarkomzellen sind, nach Virchow, identisch mit denen des

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