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Die drei im Vorhergehenden beschriebenen Geschwülste gehören zu denjenigen
Osteosarkomen, welche man, im Gegensätze zu den vom Perioste ausgehenden, cen
trale Osteosarkome genannt hat, welche man aber besser, zugleich ihren Mutterboden,
das Knochenmark bezeichnend, mit Virchow (Geschwulstlehre S. 293.) myelogene Sar
kome nennt.
Paget’s Name für diese Geschwulstform „Myeloidsarkom“ und der Nelaton’s
„Tumeur k Myeloplaxes' 1 sind, nach Virchow, nicht glücklich gewählt, ersterer nicht,
weil die Bestandteile der Neubildung, welche Paget zur Aufstellung seines Namens
bewogen, nämlich die Myeloplaxen, gar nicht in dem gewöhnlichen Marke enthalten
sind, und der Nelaton’s nicht, weil die Myeloplaxen noch in andern, gänzlich ver
schiedenen Neubildungen ausserhalb der Knochen Vorkommen. Auch ist es nicht
richtig, das myelogene Sarkom, wie es öfters geschehen ist, als „fibroplastische Ge
schwulst“ zu bezeichnen, da die „fibroplastischen Elemente“ (Spindelzellen) keineswegs
die einzigen, ja nicht einmal die charakteristischen Elemente der Geschwulst sind
(Virchow).
Die myelogenen Sarkome kommen am häufigsten in den langen Röhrenknochen
und den Kiefern vor, werden jedoch auch in den platten Schädel- und Beckenknochen
Und an der Scapula, ferner an den kurzen Knochen von Hand und Fuss, sowie an
den Wirbeln, dem Akromion und an der Patella beobachtet. Sie gehn aber bei den
langen Röhrenknochen nicht von dem Marke der eigentlichen Knochenhöhle aus, son
dern beginnen fast ausnahmslos in der spongiösen Substanz der Epiphysenlinien. An
den Kiefern und den erwähnten kurzen und platten Knochen ist ebenfalls der Mutter
buden spongiöse Substanz, da diese Knochen gar keine Markhöhle besitzen.
Dem Gesagten gemäss entwickelte sich unser Tibiasarkom in dem Kopfe der
Tibia, also von der Epiphysenlinie derselben aus, das Oberschenkelsarkom dagegen
findet sich an einem Orte, wo es bis jetzt noch nicht beobachtet zu sein scheint,
uäinlich in der Mitte des Femur, von der obern und der untern Epiphysenlinie gleich
et entfernt, Nur Senftleben (Archiv f. klin. Chir. I. S. 134) erwähnt eines Falles, des
einzigen, der ihm bekannt geworden sei, wo bei einem 15jährigen Knaben ein Sarkom
der Fibula ausserhalb der Epiphysenlinie entstanden und erst später in dieselbe hinein
gewuchert sei. Auch Virchow sagt in seiner Geschwulstlehre (S. 320, Anm.), dass ihm,
ausser dem Beispiele Senftleben’s, keins bekannt sei. Dieses Beispiel aber scheint mir
v °n sehr zweifelhaftem Werthe zu sein; denn es möchte doch wohl schwierig sein,
n achzuweisen, dass eine zum Theil in- und zum Theil ausserhalb der Epiphysenlinie
ritzende Geschwulst ausserhalb dieser Linie entstanden und dann erst in sie hineingewuchert
sei, während erfahrungsgemäss die Neubildung sonst immer den umgekehrten Weg machte
Bei ihrer weitern Entwicklung pflegen die myelogenen Sarkome von
binen her den Knochen zu verzehren, wodurch sie an den langen Knochen, wie
d'es bei unserm Oberschenkelsarkom der Fall war, nicht selten Spontanfraktur ver-

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