Dieses oberflächliche Athmen, dieses sogenannte Hächeln bewirkt aber, wie
schon oben bemerkt, dass die Lungen sich nicht vollständig ausdehnen zu
mal ihre Ränder, einen Vorgang, den wir gerade bei Chlorotischen in noch
höherem Maasse in den meisten Fällen beobachten.
Auch der Umstand kommt noch in Betracht, dass bei chlorose wegen der
schlechten Blutbesehaffenheit sehr häufig Dyspepsie mit allen ihren Folgen auftritt.
Die mangelhalte Ernährung der Nerven führt zu Cardialgie etc.; die Chlorotischen
klagen über Appetitmangel, über Druck und Vollsein im Epigastrium nach der Mahl
zeit, Aufstossen von sauren Massen atc. Mit einem Worte es bilden sich allerhand
Gährungsprocesse, es entstehen die bei perverser Verdauung sich gewöhnlich ein
findenden Säure und Gase. Der ganze Digestionsapparat von der Cardia abwärts ist
meistens mit Producten einer perversen Verdauung und abnormer Zersetzungsprocessc
angefüllt. Eine nothwendige Folge dieser abnormen Ausdehnung des Buchraumes ist
aber die, dass das Zwerchfell, welches schon an und für sich durch die mangelhafte
Ernährung erschlafft ist, in die Höhe gedrückt wird, und ein permanenter Hochstand
desselben unter solchen Verhältnissen ist eine ganz gewöhnliche Erscheinung Wen»
auch die Ausdehnung nicht den Grad erreicht, wie wir ihn bei Schwängern an-
treffen, und wenn er auch nicht den Grad von Dyspnoe verursacht, wie wir ihn beim
Ascites beobachten, so ist die von Gasen angefüllte Bauchhöhle doch so stark aul
getrieben, dass die untere Lungenparthie, die schon so wie so geringe Excursionen
macht, beinahe zur Unthätigkeit verurtheilt wird und sieh so zu sagen vollständig
retrahiren muss.
Haben sich jedoch die Lungen retrahirt und sind die Gefässe im vorderen
Theile der Brustwand nur von schmalen Säumen der Lungenränder bedeckt, dan»
sehen wir nothwendiger Weise zwei neue Erscheinungen auftreten:
1. Die Vergrösserung der Herzdämpfung,
2. Verstärkung des zweiten Pulmonaltons, welcher nicht mehr durch vorliegende
Lungensubstanz geschwächt wird. Die Geräusche an der Mitralis etc. glauben
wir schon oben aus dem Wesen der Bluterkrankung erkliirt zu haben, wess-
halb wir auf eine weitläufige Auseinandersetzung nicht einzugehen brauchen-
Der Beweis, dass gerade die oben vielbesprochene Retractio der Lunge in den
meisten Fällen Ursache der Vergrösserung der Herzdämpfung ist, ist ein sehr ein
facher.
Schon in dem theoretischen und praktischen Colleg über Auscultation nnd
Percussion des ersten Assistenzarztes der med. Klinik und Privatdocenten Herrn
Dr. Jürgensen wurden wir zu verschiedenen Malen auf die Veränderung des Umfanges
der Herzdämpfung etc. bei Chlorotischen nach tiefen Inspirationen aufmerksam gemacht-

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