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Lungen zuzuführen, als wenn es tiefe und lang gezogene Inspirationen macht. Diese
Deutung basirt auf genauen physiologischen Beobachtungen.
Die Frequenz der Athemzüge ist nach Funke zunächst bis zu einem ge
wissen Grade vom Willen abhängig; ferner ist auf dasselbe das Alter von Einfluss;
ist doch bei Kindern die Athmungsfrequenz beträchtlicher als bei Erwachsenen. Fer.
ner ist sie abhängig von der Stellung, von den psychischen Affecten und endlich von
Krankheiten, besonders der Respirationsorgane selbst. Die „Tiefe der Athem
züge“ richtet sich nach dem Rauminhalt der Brusthöhle und nach dem Grade der
Kraftanstrengung, welche auf die Vergrösserung des Rauminhaltes der Brusthöhle ver
wandt wird, endlich wesentlich abhängig von krankhaften Zuständen. Bei all den
Kranken, welche das Bedürfniss haben, mehr Sauerstoff als normaliter aufzunehmen,
ist sowohl „die Tiefe als die Frequenz der Athemzüge in so fern modifi-
cirt, als die Kranken in der Zeiteinheit häufiger athmen und die einzelnen
Athemzüge bloss oberflächlich und kurz sind, so dass der Grad der
inspiratorischen Erweiterung und der darauf folgenden Verengerung
der Brusthöhle ein höchst geringer ist.
Nicht bloss physiologisch, sondern auch pathologisch ist jener Vorgang nach
zuweisen, Beobachten wir doch tagtäglich, wie die Fieberkranken nur oberflächlich
athmen, wie sie nur so im Stande sind, den durch das Fieber erhöhten Sauerstoff
verbrauch zu decken. Ebenso sind bei den Chlorotisc hen die Athmungsbewegun-
gen modificirt. Vermöge der veränderten Blutbeschaffenheit, vermöge des Mangels
an rothen Blutkörperchen können die Chlorotischen in der Zeiteinheit nur sehr
wenig Sauerstoff aufnehmen. Die Aufnahme desselben würde bei gewöhnlichem
Athmen dem zur Erhaltung des Organismus nothwendigen Bedürfniss nicht entsprechen;
daher wird durch obige modificirte Athembewegungen d. h, durch rascher aufeinander
folgende und zugleich oberflächlichere dem Organismus in der Zeiteinheit mehr Sauer
stoff als bei gewöhnlichem Athmen zugeführt.
Die nothwendige mechanische Folge dieses oberflächlichen Athmens wird aber
die sein, dass sich die Lunge weniger ausdehnt, und die vordere Seite des Herzens
weniger bedeckt, oder, wie man diesen Zustand zu bezeichnen pflegt, die Lungenrän
der sich retrahiren. Durch die Retraction der Lungenränder wird sich jedoch die
Masse des Herzens bei der Percussion mehr geltend machen.
Da bei Chlorotischen das Athmungsbedürfniss abnorm gesteigert ist, so wer
den diejenigen Athmungsmuskeln, welche bei normalem Sauerstoffbedarf thätig sind,
nicht mehr in der Lage sein, den Mechanismus der Athmung unterhalten zu können,
es werden daher die accessorischen Athmungsmuskeln in Thätigkeit treten müssen.
Aber noch aus einem anderen Grunde werden letztere (access. M.) in den
Mechanismus der Athmung mit eingreifen müssen und zwar aus dem Grunde, weil,

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