Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1868 (Band XV.)

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ration hervorgehend, nicht wieder zur Norm zurückkehren würde, ein Vorgang, welcher 
nach jedesmaliger Besserung der Blutbeschaffenheit eintritt; die Insufficienz aber auf 
eine veränderte Blutmischung zurückzuführen, sei desshalb nicht statthaft, weil es sich 
nicht erklären Hesse, wie die veränderte Blutmischung bloss eine Erschlaffung der 
Muskulatur des linken Ventrikels und nicht auch ebenso gut der des rechten Ven 
trikels zur Folge haben sollte. 
Als Analogon für die Erschlaffung der Herzmuskulatur führt Stark noch an, 
dass auch die übrigen quergestreiften Muskeln eine verminderte Functionsfähigkeit be- 
sässen. Das betreffende Individuum besitze allerdings eine verminderte Willensenergie, 
wäre aber doch immer müde, matt und träge in den Bewegungen. 
Werfen wir einen Rückblick auf die verschiedenen Ansichten über die Ent 
stehung der vergrösserten Herzdämpfung, so stimmen dieselben alle darin überein, 
dass eine Dilatation des Herzens, also eine Veränderung der Grösse des Her 
zens selbst anzunehmen ist, welche dann in den meisten Fällen mit einer nach 
folgenden Hypertrophie verbunden sei. 
Vogel lässt die Dilatation durch verstärkte Herzaction und plethora des Her 
zens zu Stande kommen; Wunderlich scheint die erste Ursache bloss anders auszu 
drücken, im Uebrigen aber mit der chlorotischen Palpitation dasselbe zu sagen. 
Bamberger, Friedreich und Stark nehmen als Hauptursache eine Blutverän 
derung an. Mit der eigentümlichen d. h. pathologischen Beschaffenheit der Herz 
muskulatur ist sehr oft ein sog. accid e n teil es systolisches Geräusch und ein 
verstärkter, accentuirter zweit er Pul m o n alt on verbunden. Letztere Symptome, 
verstärkter Pulmonalton und systolisches Blasen sind bei anämisch aussehenden Indi 
viduen gewissermassen charakteristisch für Chlorose. Dieses systolische Geräusch ver 
schwindet nach passender Behandlung des Individuums; auch ist bei der Section noch 
nie eine Veränderung an den Klappen nachgewiesen worden. 
C. Gerhardt*) ist daher geneigt, anzunehmen, „dass dem sogenannten acci- 
dentellen Geräusche, das dabei an der Mitralklappe gehört wird, ein auf vorübergehen 
der Functionsstörung des Herzmuskels und speciell der Papillarmu skel n beruhen 
der Klappenfehler zu Grunde liegt, „eine temporäre Insufficienz der Mitralklappe.“ 
In fast allen Fällen von Chlorose ist eine Verminderung der rothen Blutkör 
perchen vorhanden; diese Verminderung fehlt nur in einigen zu den Ausnahmen ge 
hörenden Fällen.**) Ausserdem soll die Verminderung der Körperchen in gleichem 
Verhältnisse zur Dauer und Intensität der Krankheit stehen. In Canstatt's Jahres 
berichten finden wir an eben angegebener Stelle folgende Zusammenstellung. 
*) Lehrbuch d. Auscultation updPercussion v. Gerhardt. Tübingen 66. 
**) Canstatt’s Jahresbericht 1 852 III. Band. Bericht über die Leistungen in der Pathologie des Blutes. 
Vogel p. 4.
	        

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