Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1868 (Band XV.)

durch vergrössert werden, dass durch Retractionen und Schrumpfungen der vorderen 
Parthie der rechten sowohl, als vorzugsweise der linken Lunge die vordere Herz 
fläche in grösserem Umfange von Lungensubstanz entblösst wird. Das entgegengesetzte 
Resultat wird natürlich erhalten, wenn die vordere Parthie der Lungenränder emphy- 
sematös geworden ist. Daher kann man aus dem Umfang der Herzleerheit wohl auf 
die Lase der Lunge zum Herzen, nicht aber mit Sicherheit auf die Grösse des Herzens 
selbst schliessen. Es ist daher nicht immer erlaubt, die Grösse des leeren Schall 
raums als Massstab für die Grösse des Herzens zu betrachten. Friedreich gelangt 
endlich zu dem Schlüsse, dass die Grenzen der Herzdämpfung durchaus nicht un 
wesentlich für die Percussion des Herzens sind, und dass die Bestimmung der Grösse 
des Herzens nur aus der Grösse des von Lunge unbedeckten Abschnittes der vor 
deren Herzfläche nicht möglich ist,*) 
Bamberger bestimmt die Grösse des Herzens aus dem ganz dumpfen Per- 
eussionsschall, welcher durch die unmittelbar die Brustwand berührende, nicht von 
Lungensubstanz bedeckte Herzparthie erzeugt wird. Im Allgemeinen soll man aus 
dem Umfange des dumpfen Schalles auf die absolute Grösse ; des Herzens mit Sicher 
heit schliessen können. Er kann die Methode nicht billigen, die Grösse des Herzens 
nach dem Umfange des mehr leeren Schalles zu bestimmen, der auch an den von den 
Lungenrändern bedeckten Stellen des Herzens nachgewiesen werden kann. Er führt 
dagegen an, dass durch die graduelle Zu- oder Abnahme des vollen Schalles an den 
nah oder fern gelegenen Parthien des freien Lungenrandes die Grenze nicht scharf 
bezeichnet werden könne. Dagegen könnten selbst weniger Geübte den Uebergang 
vom hellen des das Herz bedeckenden Lungenrandes zum völlig dumpfen Schalle des 
unmittelbar anliegenden Herzens nachweisen.**) 
Wir gelangen aus obigen Ansichten zu dein Schlüsse, dass die Herzdämpfung 
nicht so sehr von der anatomischen Lage des Herzens als von der Ausdehnung der 
darüber liegenden Lunge abhängig ist. Es ist daher kein Wunder, dass man in den 
Fällen, in welchen man den Einfluss der Ausdehnung der Lunge auf die Veränderung 
der Herzdämpfung nicht hinlänglich berücksichtigt hat, zu weniger richtigen und 
theilweise fälschen Ansichten gelangt ist. Obigen Einfluss scheint man unter Anderen 
auch bei Chlorotischen in Bezug auf die Vergrösserung der Herzdämpfung nicht genug 
gewürdigt zu haben. 
Betrachten wir die von verschiedenen Autoren aufgestellten Ansichten, welche 
die Vergrösserung der Herzdämpfung bei Chlorotischen ein von Allen ohne Ausnahme 
erwähntes und anerkanntes Factum, erklären sollen. 
*) Friedreich, Krankheiten des Herzens im Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie, V. ltuiid 
2. Abtheilung. 
*•) Bamberger, Lehrbuch der Kraukheiteu des Herzens, Wien 1857.
	        

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