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ein Silbergroschen grosses Ulcus ; Impfung mit dem Eiter dieses Ulcus auf den Ober
schenkel der Person ergab positives Resultat. Da nun die Personen dieses Standes
einer wöchentlichen ärztlichen Controle unterzogen werden, so ist es unmöglich, an
zunehmen, dass das syphilitische Fleckenexanthem anzusehen sei als Folge gleichzei
tiger Infection mit syphilitischem und Chankergift; die Infection mit dem syphilitischen
Uifte muss, wie die Erfahrung lehrt, etwa 6 Wochen vor der Aufnahme erfolgt sein,
hätte zu gleicher Zeit aber eine Infection mit Chanker-virus stattgefunden, so hätte
der Erfolg dieser Infection (das Ulcus an der portio vaginalis) schon früher entdeckt
werden müssen.
Gustav Matthias, aufgenommen 16. Mai 1867. — 12 Wachen vor der Ab
nahme will Patient eine Induration im Präputium bemerkt haben, die allmählig z u '
nahm; so dass bei seiner Aufnahme das Präputium in eine unförmliche Geschwulst
verwandelt war; an der linken Seite ein tiefes etwa 1 Zoll langes und y 4 —Zoll
breites unregelmässiges Geschwür, das sich nach der untern Fläche des Penis zu er
streckt und durch die ganze Dicke der Vorhaut hindurchgeht, an der rechten Seite
ein ähnliches, jedoch kleineres tiefgehendes Geschwür. Die ganze übrige Fläche des
Präputiums ist mit zahlreichen, flachen, runden Geschwüren bedeckt; die beiden tief
gehenden Geschwüre sind mit dickem Eiter bedeckt. An der Stelle, wo der herab
hängende Penis das Scrotum berührt, sitzen auf dem letzteren 3 platte Condylome.
Es wurden 3 Impfstiche mit reichlichem Eiter gemacht; am 27. Mai wird mit dem
Eiter aus den Pusteln, die sich aus den Impfstichen vom 17. entwickelt haben, wie
derum mit 2 Impfstichen geimpft. Am .Juni werden wiederum von den Geschwüren*
die sich aus den Impfstichen vom 27. Mai entwickelt haben weiter geimpft. Auch
diese Impfstiche gaben noch positives Resultat; ein Geschwür, welches aus der am
17. Mai vorgenommenen Impfung entstanden ist, hat am 1. Juni die Grösse eines
Silbergroschens erlangt. Patient wurde am 5. August geheilt entlassen.
Friedrich Rathje wurde am 29. Septemb. 1867 aufgenommen. Seit 8 Tage»
will Patient Geschwüre am Penis bemerkt haben; rings um die Corona glandis, beson
ders jedoch am Präputium, kleine Ulcera. Das Präputium etwas ödematös, links ein«
Inguinaldrüse dolent geschwollen. Eine vorgenommene Impfung mit 2 Stichen hat
nach einigen Tagen deutliche Chankerpusteln erzeugt.
Am 25. October entfernte sich Pat. heimlich aus dem Hospital, es waren dm
Ulcera penis noch nicht geheilt, jedoch keine Induration derselben bemerkbar, einig e
Inguinaldrüsen beiderseits dolent geschwollen. Mitte November zeigten sich bei Pa
tienten Condyloroata lata in der Achselhöhle und am Penis; Drüsen, besonders Ing u1 '
naldrüsen multipel, indolent geschwollen.
Schliesslich möchte ich noch mit einigen Worten die Behandlung des Impf
chankers erwähnen. Sowie der Impfchanker seinen diagnostischen Zweck erfüllt hat,
muss man denselben natürlich möglichst schnell zur Heilung zu bringen suchen.

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