England nach Fergusson die syphilitischen Krankheiten ohne jegliche specifiische Mittel
nur symptomatisch zu behandeln und anscheinend mit dem besten Erfolg; bald in
Frankreich, dann auch in Deutschland wendet man diese Behandlungsweise — simple
treatement — an
Im Anfänge der 30er dieses Jahrh. glaubte man abermals ein Specificum gegen
die Syphilis in dem Jod gefunden zu haben, aber auch dieses Mittel erwies sich bald
in vielen Fällen als unzureichend. Man nahm daher wiederum seine Zuflucht zur
Quecksilberbehandlung, da man mit dem „simple treatement“ bei manchen Primär-
nffectionen wohl guten Erfolg, bei den secundären Erscheinungen aber gar nichts er
reichte. Als man erkannte, dass der Tripper nicht syphilitischen Ursprungs sei, so
behandelt man denselben auch nicht mehr antisyphilitisch.
Ricord sprach sich in Betreff der Behandlung der Syphilis dahin aus, dass die
Primitivsymptome nur local, die secundären syphilitischen Affectionen mit Quecksilber,
die tertiären aber mit Jodkalium zu behandeln sein.
Diese Grundsätze der Therapie waren nach dem damaligen Standpunkte der
Wissenschaft vollständig gerechtfertigt; man wusste nicht, auf welchen Chanker Syphilis
folgen würde und auf welchen nicht, man sah auf Chanker, die gleich mit Quecksilber
behandelt wurden, secundäre Symptome folgen, man sah bei anderen, die nie mit
Quecksilber behandelt, diese Zustände ausbleiben; man machte also den Schluss: lieber
jeden Chanker symptomatisch zu behandeln, als dem Organismus ein Mittel ein-
zuverleiben, das entweder ganz zwecklos angewandt würde, oder doch nicht im Stande
sei, das Fortschreiten der Krankheit zu hindern, und mit der Anwendung eines immer
bin doch nicht indifferenten Mittels, wie das Quecksilber ist, bis zu dem Zeitpunkt zu
harten, wo durch weiteres Fortschreiten der Krankheit die Anwendung desselben ge
boten sei. Anders ist es heutzutage um die Therapie bestellt, da wir zur Feststellung
‘für Diagnose zwischen Ulcus rnolle und Ulcus durum um ein wichtiges Hülfs-
nflttel, die Impfung,bereichert sind; man wird daher stets, wenn man ein Ulcus durum
a ’s ein solches erkannt hat, die antisyphilitische Kur einleiten.
Betrachten wir nun in Folgendem zunächst die Therapie der Syphilis, die medi
kamentöse sowohl, als auch die diätetische, wie sie auf der tnedicinischen Klinik hie-
8e lbst unter Leitung des Herrn Prof. Bartels in den letzten 6 Jahren geübt wurde.
Fangen wir zuerst mit der Diätetik, als dem allgemeinsten Theile an, die, wie ich im
Voraus bemerken muss, auch für das Ulcus molle gilt. Man ist hier weit davon ent
fernt gewesen die Pat. auf jene knappe Diät zu setzen, wie es anderswo noch geschieht.
Eie Kost, die jedem Kranken verabreicht wird, besteht kurz in folgendem:
Morgens 1 Port. Kaffee, 2 Semmel, 1 Lth. Butter.
Mittags 400 CC. Vorspeise, 1 /t Pfd. Fleisch in verschiedener Zubereitung mit
Kartoffeln oder Gemüse.
Nachmittags 1 Port. Kaffee.

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