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Wege, wo das Rückenmark als Centralorgan thätig, die Reize der sensiblen Fasern
direct auf die motorischen überträgt, seine Entstehung möglich ist. Mit Recht glaube
ich daher unterscheiden zu können eine Chorea idiopathica, sympathica und sympto
matica.
1. Chorea idiopathica.
Es ist diese ein eigenes Leiden, beruhend vornehmlich auf Functionsstörung
des Rückenmarkes, wobei dieses Organ keine groben Veränderungen erleidet, wobei
aber in ihm den physiologischen analoge Vorgänge hervorgerufen werden, die durch ihr«
Stärke und ihr „habituell werden“ abnorm sind. Einmal ist dieses Leiden entgegen
gesetzt allen Krankheiten peripherischer Organe, auf der anderen Seite den organischen
Erkrankungen des Rückenmarkes selbst. Weil aber keine organische Entartung des
Rückenmarkes vorhanden ist, lässt es eine plötzliche spontane Heilung zu, es ist, wenn man
will, ein dynamisches Leiden. Hier möchte uns der Vorwurf trelfen, immaterielle Krank
heiten aufgestellt zu haben; doch das sei ferne von uns; wie immer, somuss auch hier eine,
wenn auch noch so geringe Veränderung der organischen Materie, sei es in der Form
sei es in der Mischung, vorhanden sein, aber ihr Nachweis liegt meistens ausser dem
Bereiche des stärksten Mikroskops, des subtilsten chemischen Reagens, geschweige denn
Res groben anatomischen Messers. Wenn wir nun aber auch, wo keine psychischen
Störungen vorhanden sind, mit Recht den Sitz des Leidens in das Rückenmark ver
setzen, so scheint mir doch das Gehirn hier nicht ganz ausgeschlossen werden zu dürfen.
Weber hat nachgewiesen, dass auch das Gehirn einzelne Gebilde mit moto
rischer Wirkung enthalte, er brachte die Leitungsdrähte des Rotationsapparates m
Contact mit dem corpus quadrig. und es erfolgte ein fortwährender Wechsel von B c '
wegungen, welche bald den Charakter zweckmässiger Anordnung, bald das Ansehn
unregelmässiger klonischer Krämpfe hatten. Nachdem P. Frank 1791 auf die Wichtigkei
des Rückenmarks und seinen Einfluss auf die Entstehung krampfhafter und anderer
Krankheiten aufmerksam gemacht hatte, war es 30 Jahre später Jos. Frank, welcher
-den Irritationszustand desselben auf eine entzündliche, rheumatische, gastrische, ner
vöse Diathese zurückzuführen suchte.
Arnoldi’s, Werlhoff’s undAnderer Ansicht,dass durch Wachsthumsanomaliendie Nerven'
Stämme bei ihrem Durchtritt durch die foramina intervertebralia gedrückt die Chore»
hervorrufen; lässt sich schwerlich als richtig acceptiren. Wird nämlich ein Nerven
stamm gedrückt, so fehlt jedesmal die cordinirende Action; nur von den Central'
Organen geht die Erregung in combinirten Zügen aus, mit gegenseitiger Unterstützung
zusammenwirkender Muskelgruppen, so entsteht die Extension, Flexion, Adduction un
Abduction, wie es bei der Chorea immerhin der Fall ist.
Ungemein häufig sehen wir nun unsere Cho idiopathica in der Jugend besonders
bei Mädchen vom 6—17 Lebensjahre auftreten. Wenn auch Rufz es bezweifelt na^ 1

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