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In letzter Zeit hat Nussbaum sehr glücklich operirt; von 34 Fällen sind 18
genesen und 14 gestorben, eine Mortalität also von 44 Proc. Er hofft in folgender
Zeit die Sterblichkeit noch bedeutend herabsetzen zu können.
Herr Geh. Medicinal-Rath Prof. Dr. Esmarch hat bis jetzt 15 Ovariotomieen
ausgeführt, von denen sind 4 glücklich, 11 unglücklich verlaufen.
Ich werde nun auf die Operationsmethode, wie sie jetzt im Allgemeinen von
Herrn Geh. Medicinal-Rath Esmarch geübt wird, etwas näher eingehen, und dann
sämmtliche Fälle in einer statistischen Tabelle anführen.
Ich sage hiermit zugleich meinen besten Dank für das Material sowohl, als
lür die reiche Litteratur, die mir von Herrn Geh. Medicinal-Rath Prof. Dr. Esmarch
zu Theil geworden ist.
Die auffallend günstigen Resultate der Engländer im Vergleich zu den con-
tinentalen haben schon seit längerer Zeit Herrn Geh. Medicinal-Rath Esmarchs Auf
merksamkeit in Anspruch genommen. Und indem er, gleich Nüssbaum, bald erkannte,
dass die ganze Art der Behandlung, dass die grösste Reinlichkeit vor und nach der
Operation, die Behandlung des Stieles, die pedantische Sorgfalt auf die scheinbar un
bedeutendsten Dinge die wesentlichsten Gründe des guten Erfolges seien, hat er sich
seit längerer Zeit auf das Genaueste der englischen Methode angeschlossen.
Die Operation wird folgendermassen gemacht:
• Nachdem man sich von der Anwesenheit eines Ovarientumors vergewissert,
und nachdem die Kranke und die Angehörigen, die zugleich von dem gefahrvollen
Unternehmen unterrichtet werden, ihre Einwilligung gegeben haben, wird die soge
nannte Vorkur eingeleitet, die theils in einem roborirenden Verfahren (Chinin und
Eisen), theils in lauen Seifenbädern mit Abreibungen bestehen. Namentlich auf Letz
teres scheint Baker Brown *) grosses Gewicht zu legen, indem er nämlich die dadurch
beförderte Perspiration als eine wesentliche Ursache der Heilung ansieht. Auf das
r oborirende Verfahren hat Stilling 2 ) im Jahre 1841 bereits aufmerksam gemacht; er
W HI das Blut dadurch plastischer machen, und so die lästigen Nachblutungen zu ver
böten suchen. Auch Nussbaum hebt als eine günstige Vorbedingung der Operation
e, nen guten Kräfte-Zustand hervor; seiner Ansicht nach sollen jedoch nicht so sehr
bie Nachblutungen bei sehr herunter gekommenen Individuen die Todesursache sein,
a U vielmehr eine Neuroparalyse, in Folge des colossalen Eingriffs, der von kräftigen
Personen besser vertragen würde. Auch die Heilung gehe bei sehr entkräfteten Per-
s °üen, wenn sie überhaupt einträte, wegen erschöpfender Eiterungen sehr langsam
v °n Statten. Nach längerer Einwirkung dieser Kur wird der Operationstag bestimmt
') On Ovarian Dropsy by B. Brown p. 119,
3 ) Stilling. Ovariot. p. 16.

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