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verhältnissmässig schwerer geworden sind als die Männchen, dass sie also von der Geburt bis zum
beginn der Schwangerschaft stärker gewachsen sind als diese. Nur Weibchen Nr. 16 macht eine
Ausnahme. Während der Schwangerschaft ist dann das Gewicht der Weibchen wieder im Ver-
hältniss zu dem der Männchen gesunken; der verlangsamende Einfluss der Schwangerschaft tritt
also deutlich vor Augen; aber es zeigt sich bei Weibchen Nr. 22 und 13 (un Verhältniss zu Männ
chen 14) nach der Entbindung das gleiche oder sogar ein höheres Verhältniss des Weibchen zum
Männchen wie bei der Geburt, bei Nr. 16 und 19 ist das Verhältniss zum Männchen nur unbe-
Aächtlich geringer als bei der Geburt und nur bei Nr. 10 und 13 (im Verhältniss zu J 12) ist
der Unterschied ein recht in die Augen fallender. Man würde also hiernach zu dem Schluss kom
men: Die Schwangerschaft übt allerdings einen verlangsamenden Einfluss auf das Wachsthum ans,
aber derselbe wird dadurch mehr oder weniger ausgeglichen, dass die Weibchen vor der Schwan
gerschaft stärker wachsen als die Männchen, und daher können die Weibchen am Ende der
Schwangerschaft ein, Gewicht haben, welches zu dem der zugehörigen Männchen in demselben
Verhältniss steht wie bei der Geburt.
Mag nun die eine oder die andere Auffassung die richtigere sein, sicher bleibt immer, dass
has Wachsthum während der Schwangerschaft fortschreitet, und das ist die Hauptsache. Die Frage,
°b es verlangsamt werde oder nicht, kommt immer erst in zweiter Linie in Betracht, ln Wahrheit.
Ze >gt sich ja aber der verlangsamende Einfluss der Schwangerschaft auch nach der zweiten Auf
lassung deutlich genug und wenn er durch ein stärkeres Wachsen der Weibchen vor der Schwan
gerschaft zum Theil ausgeglichen wird, so ist dies doch immer Etwas, das mit der Schwanger
schaft in keinem Zusammenhang steht und braucht uns hier deshalb nicht weiter zu beschäftigen.
Werfen wir jetzt noch einen Blick auf die Ansichten, welche über den Einfluss der
Schwangerschaft auf das Wachsthum bestehen, so finden wir, dass sie keineswegs mit dem über-
ei nstimmen, was wir für die Meerschweinchen gefunden haben. Litzmann *) führt an, während der
Schwangerschaft stehe das Wachsthum still. Burdach -) behauptet dasselbe und fügt noch hinzu,
‘lass das Wachsthum, nachdem einmal eine Schwangerschaft eingetreten sei, zuweilen ganz auf-
böre. Beide Autoren berufen sich auf Pott 3 ). Dieser aber führt einfach nur die Thatsache an
ünd verweist auf Osiander 4 ). Auch bei diesem fehlen jedoch die Belege. Burdach führt an einer
andern Stelle 6 ) noch an, dass alle Hausthiere nie die gehörige Grösse und Stärke erzreichen, wenn
3er Kegel beträchtlich leichter seien als die Männchen. Wenn man jedoch das Mittel aus grösseren Zahlenreihen zieht, so
er Siebt sich, dass der Unterschied der Gewichte beider nicht bedeutend ist: Von 131 neugeborenen Thicren, welche theils von
nUr selbst, theils später von Herrn Professor Hensen gewogen wurden, der mir seine Aufzeichnungen freundlichst /.ur Verfügung
Scstellt hat, wogen die 66 Männchen 5420 Gramm, also jedes 82,121 Gramm, die 65 Weibchen 5206, also jedes 80,09 ’
branun: Das Männchen verhielt sich also tum Weibchen wie 1 : 0,975. In 17 Fällen aber, wo je ein Weibchen und eia
Männchen geboren wurden, wogen die 17 Männchen 1515, also jedes 89,1 Gramm, die 17 Weibchen 1479,5, also jedes 87,8
brauun, was ein Verhältniss von 1 : 0,97 7 ergiebt.
') Littmann in Wagner’s Handwörterb. d. Physiolog. Art. Schwangerschaft.
2 ) Burdach. Die Physiologie als Erfahrungswissenschaft. Bd. II. pag. 91. § 347 d.
3 ) Pott. Laur. Ph. J. Comm. de corporis feminae gravida* mutationibus iisque cum integra tpsius inter graviditateni
v *letudine recte conciliandis. Gotting. 1815. pag. 7.
’) Osiander. Grundriss der Entbindungskunst. 1802.
5 ) Burdach a. a. O. Bd. III. pag. 329, wo verwiesen wird auf: Joh. Pet. Franck. System einer vollst. med. l’o-
ll2ei - Mannheim 1779—1819.

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