Full text: (Band XV.)

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gereizt und wächst wohl nicht mehr so rasch. Lässt der gesunde Darm sich nicht 
herabziehen, dann kann noch eine Cloake gebildet werden. — Simon ist ebenfalls 
der Ansicht, dass man auch dann noch operiren muss, wenn man nicht mehr im 
Stande ist, die erkrankten Theile vollständig zu exstirpiren, weil die Gefahr dabei rel. 
gering, die Erleichterung aber beträchtlich und eine Verlängerung des Lebens wahr- 
s eheinlich ist. 
In England scheint die Exstirpation des Mastdarmkrebses nicht sehr beliebt zu 
sein. Smith erklärt sie gradezu für unwissenschaftlich und für eine Barbarei eines 
früheren Jahrhunderts. Dagegen machen die Engländer häufig die Colotomie (Ward, 
Idains, Curling, Pemberton etc.). Den Resultaten der deutschen Chirurgen gegen 
über müssen ihre theoretischen Gegehgrühde ihren Werth verlieren. In der Literatur 
finden wir eine recht hübsche Anzahl von Heilungsfällen, welche wohl zur Nach- 
a fimung auffordern könnten, wenn auch nicht geläugnet werden soll, dass gewiss viele 
Un günstig verlaufenen Fälle gar nicht,an die Oeffentlichkeit gelangt sind. Der Vor- 
Wu rf der Gegner, dass stets alvus involuntaria eintrete, ist vollständig ungerechtfertigt, 
knfidn Lisfranc macht darauf aufmerksam, dass, auch nach vollständiger Exstirpation 
des Sphincters, die Kranken doch im Stande sind, feste Fäcalstolfe willkürlich zurück- 
Zu halten. Die Blutungen sind allerdings oft bedeutend, doch lassen sie sich meistens 
durch sofortige Unterbindung und örtliche Kältewirkung gut beherrschen. Die Gefahr 
der Peritonitis ist auch vorhanden, durch Verletzung oder Uebergreifen der Entzün- 
^ Ul) g auf dasselbe. Die Entfernung des Peritoneum vom After lässt sich in dem ein- 
Zeln en Falle nicht taxiren; die von verschiedenen Forschern angestellten Messungen 
hufien zu verschiedene Resultate ergeben. (27 Mm.— 162 Mm.) Die mittlere Entfer- 
nuil g dürfte nach Schnh 70 Mm. betragen. Nach ihm kann übrigens das Bauchfell 
Vci> letzt sein, und doch tritt in vielen Fällen Heilung ein. Dann ist noch die Gefahr 
Pyämie da, doch ist die eben nicht grösser als bei andern Operationen, wo eine 
80 grosse und tiefe Wundfläche gesetzt wird. Der Umstand, dass gewöhnlich früher 
°der später Reeidive eintreten, kann von der Operation nicht abhalten, denn dann 
dürfte man überhaupt keinen Krebs mehr exstirpiren. 
Die Nachbehandlung ist einfach. Man führt in Glycerin oder Oel getauchte 
0u rdonnets ein, um durch Druck die Blutung hintan zu halten, die Wunden besser 
an einander zu legen, und, wenn der Darm nicht mit der äussern Haut vereinigt ist, 
Gl11 Verkleben der Wunde zu verhindern. Der Verband wird nach 2—3 Tagen, wenn 
* e Eiterung anfängt, entfernt und dann je nach Bedürfnis gewechselt. In der ersten 
^ . üiuss man durch Opiate dafür sorgen, dass keine Stuhlentleerungen stattfinden. 
ntt später eine Strictur ein, dann muss durch Bougies für Wegsamkeit des Darms 
gesorgt werden.
	        
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