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vor ihm Niemand diese Form erwähnt, erklärt er sich daraus, dass das klinische Bild
derselben grosse Aehnlichkeit mit dem des Epithelkrebses hat, Die Zotten sind kurz,
nie büschelförmig wie auf der Blase und dem Peritoneum. (Sollten es nicht vielleicht
doch Cylinderepithelkrebse gewesen sein? denn sonst finden wir auch später in der
Literatur diese Form nie erwähnt). — Am seltensten sind wohl die meianotischen
Geschwülste. Wir haben in der Literatur nur einen Fall (von Maier) finden können*
Symptomatologie. Die Symptome sind verschieden je nach der Grösse,
der Ausdehnung, dem Sitz der Neubildung. Das erste Symptom ist in der Regel Er
schwerung der Defacation und Verstopfung. Der Stuhlgang kann erschwert sein,
ohne dass das Darmlumen verengert ist, und zwar dadurch, dass die ContractilitW
durch das Ergriffensein der muscularis beeinträchtigt ist. Die Fäces bekommen dann
häufig die Form von Bändern wie Macaroni (Vidal) und sind häufig mit Blut gemischt.
Mitunter gehen auch grössere Stücke geronnenen Blutes ab. Der Abgang von Blut
ist in vielen Fällen das erste Symptom der Krankheit, wird aber gewöhnlich verkannt,
und die Schuld den Hämorrhoiden aufgebürdet. Oftmals bleiben Fäcalstoffe oberhalb
der verengten Stelle liegen, verhärten sich hier und wirken reizend auf die Darin
wand. In Folge davon entstehen schleimige, oft blutige Diarrhoeen. Auf diese Weise
wechseln bei vielen Kranken Durchfall und Verstopfung mit einander ab. Die zurück
gehaltenen Fäcalstoffe lassen sich häufig durch die Bauchdecken als harte Knollen
durchfühlen. Schmerzen sind nicht immer vorhanden, besonders wenn das Carcinoin
seinen Sitz hoch oben hat. Die Beschwerden des Patienten nehmen mit dem Fort-
echreiten des Neoplasmas immer grössere Dimensionen an. Durch den andauernden,
starken Reiz der Darmcontenta auf dasselbe tritt Ulceration ein. Es erfolgen schien
mige, eitrige, blutige, jauchige, oft fürchterlich stinkende Stühle. Die unglücklichen
Kranken werden oft von furchtbaren Tenesmen und unaufhörlichem Stuhldrang g e *
plagt und sind doch nicht im Stande, denselben zu befriedigen. Intelligentere
Kranke geben an, sie hätten das Gefühl, als wenn irgend ein fremder Körper die
Defäcation behindere, und nach Beendigung derselben nicht das Gefühl vollständiger
Entleerung. Mitunter gehen Gewebstrümmer mit ab, die man mittelst des Mikroskops
als Krebselemente erkennen kann. Incontinentia alvi, welche auch nicht selten sich
im spätem Verlauf der Krankheit zeigt, ist durch den Sitz des Tumors in der Nähe
des Sphincters, wo er durch Druck die Thätigkeit desselben hindert, oder durch De
generation dieses selbst bedingt. Die stinkenden Massen fliessen dann fortwährend
ab, und es wird dadurch der Zustand nahezu unerträglich. Ist endlich das Darm
lumen gänzlich verlegt, dann tritt Tympanitis, Kolik, Kotherbrechen, überhaupt jener
schreckliche Zustand ein, dem man den Namen Miserere beigelegt hat. In Folge des
Meteorismus ist auch schon Ruptur des Darms hoch oben beobachtet worden (Cru-
veilhier). Mitunter tritt eine plötzliche Erleichterung ein, durch Brand und Aus-
stossung der obstruirenden Theile der Afterbilduug, ein Hoffnungsstrahl für den

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