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2) Frau Marie Nickel, 51 J., aus Kiel bekam vor 3 /< Jahren kleine blaue Kno
ten um den After herum, welche schmerzhaft wurden und das Sitzen beschwerlich
machten. Nach Anwendung von Chamillendämpfen brach ein Knoten durch. Vor
ungef. 7 Wochen brach ein zweiter durch. Aus beiden floss dann schmieriger Eiter.
Koth ist nie herausgekommen. — An der rechten Seite der Crena ani bis zum After
nach vorne sich erstreckend erhebt sich eine gänseeigrosse, von blaurother Haut be
deckte Geschwulst. Auf ihrer Höhe ist eine guldengrosse Fläche excoriirt, in welche
^ fisteln münden, die schmutzigen Eiter entleeren. Zwischen denselben und dem
Orificium ani befindet sich eine zolllange, tiefe, klaffende Ulceration mit zackigen
Ländern. Der unterste Theil des Rectum war mit erkrankt. Die ganze Geschwulst
fühlt sich hart an und ist ziemlich gut umschrieben, die Länge beträgt S, die Breite
Cm. Durch häufige Blutungen aus den Fisteln ist die Kranke sehr anämisch ge
worden. Am 14. Febr. 1865 wurde der Tumor exstirpirt. Eine ziemlich starke Blu-
tung machte die Anwendung von Torsionspincetten nöthig. Das untere Ende des
Rectum wurde mit entfernt, der Rand der Schleimhaut desselben mit den Seiten
rändern des tiefen Defects vereinigt; hinten blieb die Wunde, welche bis vor die
Spitze des Steissbeins führte, offen. Die Wunde wurde mit Bourdonnets ausgefüllt,
eine Binde angelegt, und ein Clysrna mit 6 gtts. tinct. op. gegeben. Die Reaction
kReb mässig, die Schleimhaut heilte per prirnam mit der äussern Haut zusammen.
Ren 22. März wurde Pat. auf ihren Wunsch entlassen, sie hatte durchaus keine Be
schwerden mehr und die Wunde war fast heil. Bis jetzt, also nach ungef. 3Y2 J.
ls t noch kein Recidiv aufgetreten. Die mikroskopische Untersuchung des Tumor er
gab einen exquisiten Cylinderepithelkrebs.
3) Maurer Lage, 50 J., aus Elmschenhagen litt seit einem Jahr an Beschwer
en bei der Stuhlentleerung, an beständigem Drängen nach abwärts und seit ungef.
** Monaten an Entleerung von blutigem Schleim und Eiter. Die Beschwerden wurden
lnit jedem Tage grösser, und in letzter Zeit musste Pat. mit den Fingern den Koth
herausfördern. Die Faces sollen für gewöhnlich in kleinen harten Knollen, mitunter
ln Randartigen Streifen unter periodisch wiederkehrenden Schmerzen abgegangen sein.
Ohne vorherige genauere Untersuchung soll der behandelnde Arzt den Genuss kräf-
Lger Speisen aufs strengste untersagt haben. — Pat. ist auts äusserste herunter
gekommen, sehr anämisch. Der Puls ist klein (80 Schläge in der Minute), der Leib
‘üRgetrieben. Man fühlt, zumal in der rechten Ileolumbalgegend, harte, bewegliche
othknollen, Druck auf den Leib ist nicht empfindlich. Die Blase ist nicht ausge-
e nt, die Harnentleerung normal. Führt man den Finger in das Rectum, so fühlt
ü*an i n einer von 4 e j nen höckerigen, harten Tumor, welcher, ringförmig
^as Rectum umkreisend, das Lumen desselben so sehr verengt, dass man nur die
pitze des Zeigefingers hindurchführen kann. Blutung tritt dabei nicht auf. Mittelst
ei ües Speculum sieht man an der hintern Fläche eine grosse ulcerirte Lücke. Mit

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