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Dahin gehört zunächst ein Fall von katarrhal. Ruhr. Während in der
Stadt bei gering epidemischer Verbreitung der Dysenterie mehrere Typhusfälle vor-
kömmen, bei denen die Diarrhoen dysenterischen Charakter annahmen, war das bei
meinem Fall nicht so. Der Typhus kam erst zur Entwicklung gegen Ende des Ruhr-
processes; die Tenesmen minderten sich, der schleimig blutige Charakter der Stühle,
im Beginn des Typhus noch leicht vorhanden, verlor sich in seinem Verlaufe, und
die Krankheit verlief wie ein ordinärer Typhus.
Von andern Krankheiten herrschten irn Januar epidemisch: Scharlach, Diph-
theritis, Erysipel und Cholera. Die Combinationen mit Diphtheritis und Erysipelas im
Krankenhause fallen nicht in die Zeit der Epidemie und bleibt es daher, besonders
ihr das Erysipel zweifelhaft, ob dasselbe eine einfache Combination oder auf der
Basis des Typhus entstandene symptomatische Complication war. Das letztere scheint
f hr beide Krankheiten wahrscheinlicher, und bespreche ich daher die betreffenden
Verhältnissen später. — Scharlach kam nicht vor. — Anders verhält es sich mit 4
Fällen muthmasslicher Combination von Typhus und Cholera, bei denen allen es
allerdings zweifelhaft blieb, ob factisch eine Infection mit Cholera- und Typhusgift
stattgefunden. Der eine Fall betrifft ein Mädchen, welches in hochgradig collabirtem
Zustande, mit kalten Extremitäten kleinem Puls etc. in einem Anfall von Brechdurch=
f aU (auch mit den charakterist. Cholera-Stühlen) eingebra-cht wurde, ganz das Bild
des nahen asphyctischen Stadiums der Cholera bietend. Nachdem der Cholera-Anfall
Verstanden war, bildete sich ein typhoider Krankheitszustand aus, der nicht wohl
anders, gemäss der Anwesenheit der charakteristischen Symptome, als ein leichter re*
gulärer Typhus gedeutet werden konnte. Die andern 3 Fälle sind, was den Typhus
betrifft, unzweifelhaft; der Beschreibung der Patienten nach hatte die Krankheit mit
«'nein mehr oder weniger ausgebildeten Anfall von Cholera angefangen; — solche
Beschreibungen leiden aber bekanntlich oft an grosser Uebertreibung. Und so bleibt
a ls wahrscheinliches Resultat nur übrig, dass Typhuskranke, in der Zeit von epide
mischem Herrschen der Cholera mit den Symptomen eines Brechdurchfalles erkranken
können, was wahrscheinlich durch Infection mit beiden Giften bedingt, vielleicht aber
nur so aufzufassen ist, dass die sonst allgemein in Cholerazeiten sich äussernde, epide
misch verbreitete grosse Empfindlichkeit der Magen-Darmschleimhaut bei solchen
Individuen, die im Prodimnalstadium des Typhus stehen, besonders ausgeprägt ist,
K. schon mit Typhusgift inficirte Kranke bekommen durch unbedeutende Inficirung
mit Choleragift schon heftige Erscheinungen, d. i., sie sind mehr disponirt; — oder
aber wie im ersten Fall, dass ein typhoides Nachstadium der Cholera einem Ab-
Vminaltyphus vertauschen kann. Uebrigens ist die Beobachtung beizufügen, dass
s ämmtliche 4 Fälle einen nur rnässig schweren, zum JLheil leichten Verlauf nahmen,
80 dass man unwillkührlich den Eindruck gewann, dass dieser spontane Anfall von
Brechdurchfall eine Bestätigung der gerühmten Erfolge der in neuerer Zeit wieder-

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